Friedrich-Augustengroden - 20 000 Mastputen in drei Ställen bilden seit 2007 die wirtschaftliche Grundlage des Hofs von Enno Ortgies in Friedrich-Augustengroden. Ortgies bewirtschaftet den 1767 errichteten Hof in siebter Generation. Damals gehörten zum Hof 60 Hektar Land – „für damalige Verhältnisse schon recht viel“, sagt Ortgies.

Als sein Vater 1967 starb, war Enno Ortgies noch in der Ausbildung und zu jung, um den Betrieb zu übernehmen. Zehn Jahre lang war der Hof an zwei Pächter verpachtet, die sich die Flächen teilten. 1976, Enno Ortgies war inzwischen Diplom-Agraringenieur, übernahm der junge Landwirt den Betrieb selbst und intensivierte zunächst den Getreideanbau. „Damals war Getreideanbau ein lukratives Geschäft“, erinnert sich Ortgies: 40 Mark bekam er pro Doppelzentner (100 Kilo) Getreide. Heute liegt der Preis für den Doppelzentner Weizen bei rund 22 Euro – und die Produktionskosten sind gestiegen.

Ab 1982 begann der Getreidepreis auf 16 bis 18 Mark zu sinken. Grund war Überproduktion, sagt Ortgies. Für ihn bedeutete das einen harten wirtschaftlichen Einschnitt: „Wir mussten uns deutlich einschränken“, erinnert er sich.

Er suchte nach Möglichkeiten, den Betrieb weiter wirtschaftlich zu betreiben. Eine Umstellung auf Milchvieh kam für Ortgies wegen der 1984 eingeführten Milchquote nicht in Frage. Kühe hatte es seit 1976 auf dem Hof nicht mehr gegeben. „Es war für mich nach Einführung der Milchquote nicht mehr möglich, wieder Lieferrechte für Milch zu bekommen“, erklärt Ortgies.

Nachdem er sich mehrere Puten- und Hähnchenmastbetriebe angesehen hatte, entschied er sich, seinen Betrieb auf Putenmast umzustellen. „Die Mastdauer bei Puten ist länger als bei Hähnen. Da gibt es weniger Hektik beim Ein- und Ausstallen“, erklärt Ortgies.


Fünf Jahre dauerte das Genehmigungsverfahren für seine drei Ställe, in denen 20 000 Tiere Platz haben. 2005 konnte er den ersten Stall mit 7500 Puten belegen. 2006 und 2007 baute Ortgies zwei weitere Ställe. 50 000 Tiere mästet er heute pro Jahr.

Die Hennen sind in 16 Wochen schlachtreif, die Hähne können nach 20 Wochen Mast geschlachtet werden. So lange die Küken klein sind, bekommen sie Fertigfutter, später füttert Ortgies eigenes Getreide. Auf 98 Hektar Fläche baut er in dreigliedriger Fruchtfolge Winterweizen, Raps und Gerste an – Gerste findet allerdings nur eingeschränkt als Mastfutter Verwendung.

Die Ställe sind mit Sägemehl eingestreut, die Vögel werden bei 40 Grad gehalten. Der Tierbestand wird täglich zweimal von Enno Ortgies und Landwirtschaftsmeister Jörg Schönbohm kontrolliert.

Kranke Tiere werden isoliert, alle 14 Tage kontrolliert der Tierarzt den gesamten Bestand.

„Wir haben hier Glück mit der Gesundheit und der Lage“, sagt Ortgies: Da es im Umkreis keine weiteren Geflügelmastbetriebe gibt, ist es unwahrscheinlich, dass Keime durch die Luft eingetragen werden.

„Aber ohne Medikamente geht es auch bei uns nicht“, sagt Ortgies: der Einsatz werde sorgfältig dokumentiert. „Nach der Umstellung von Fertig- auf Getreidefutter sind die Tiere viel weniger anfällig für Krankheiten, so dass wir in den Wochen vor der Schlachtung keine Medikamente mehr geben müssen“, berichtet Ortgies. Der Schlachthof in Ahlhorn kontrolliere die Schlachttiere streng auf Medikamenten-Rückstände.

Abgeholt werden die Puten nachts, weil sie dann ruhig bleiben und auch der Transport schneller geht. Die Hennen wiegen dann zehn Kilo, die Hähne das Doppelte. Die Puten werden einzeln gegriffen und in Transportbehälter gesetzt. Dann geht es zum Schlachthof.