Land wählt aus 45 Bewerbungen 18 Modellprojekte aus
Das Land
setzt zur Stärkung der Einzelhandelsstandorte und gegen eine drohende Verödung von Zentren die Quartiersinitiative Niedersachsen (QIN). Mit dem Start des einjährigen Modells „Belebung der Innenstädte“ wird die Bildung privater Standortgemeinschaften gefördert. Dort schließen sich Grund- und Immobilieneigentümer, Gewerbetreibende, Freiberufler sowie andere Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Ihr Ziel ist es, sich in der Kommune eigenverantwortlich an der Strukturverbesserung und städtebaulichen Aufwertung eines Gebietes zu beteiligen und ein nachhaltiges Engagement zu sichern.45 Bewerbungen wurden eingereicht und 18 Modellprojekte ausgewählt, darunter Cloppenburg und Löningen. Eine Million Euro gibt es als Anschubfinanzierung für alle. Cloppenburg bekommt davon 80 000 Euro für das Projekt „City-Center Cloppenburg/Becloppt lebendig“, Löningen 10 000 Euro für die „Belebung der Innenstadt“.
Die Workshops sollen helfen, Sinnvolles herauszufiltern und Fehler zu vermeiden. Cloppenburg war der Auftaktort.
Von Michael Loots
Cloppenburg Als größten Stolperstein auf dem Weg zu einer Belebung der Innenstadt empfindet der Chef der Cloppenburger Wirtschaftsgemeinschaft, Dr. Jürgen Vortmann, die Akzeptanz unter den Mitstreitern. Gleichwohl sei sie die entscheidende Grundlage für ein Gelingen des Projektes. Deshalb gelte es, noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.
Dabei ist Cloppenburg mit seinem „becloppt lebendigen City-Center“ – so der Name des Projekts – deutlich weiter als die meisten der weiteren 17 Kommunen, die vom Sozialministerium zu Modellprojekten der Quartiersinitiative Niedersachsen (QIN) erhoben wurden und finanziell gefördert werden.
Die Initiative „Becloppt lebendig“ soll die Zukunftsfähigkeit der Innenstadt im attraktiven Mittelzentrum Cloppenburg sichern. Im Rahmen einer organisierten Plattform mit den Schwerpunkten Quartiersmarketing, Quartiersentwicklung und Quartiersleben steht die Förderung der Eigenverantwortung der Akteure dabei genauso im Blickfeld wie die aktive Gestaltung eines positiven Handels- und Dienstleistungsstandortes.
So haben die Wirtschaftsgemeinschaft und die Cloppenburg Marketing GmbH bereits viele Immobilienbesitzer zum Mitmachen gewonnen, und die Stadtverwaltung ist ebenfalls mit im Boot. Dieser erste Erfolg war ein Grund, den ersten landesweiten Workshop am Dienstag in die Cloppenburger Stadthalle zu vergeben. Weitere Veranstaltungen sollen folgen.
In der Kreisstadt diskutierten rund 50 Vertreter der Projekte ihre Probleme und tauschten Erfahrungen aus. Zentrale Fragen des Arbeitstreffens lauteten: „Wie können die Akteure des Entwicklungsprozesses in einem Quartier motiviert und eingebunden werden, und wie können verlässliche Strukturen geschaffen und vor allem gehalten werden? Jens Imorde von der Münsteraner „Imorde Projekt- und Kulturberatung GmbH“ wertete die Lösung dieser Fragen als fundamental für das Gelingen eines Projektes. Es müsse herausgefiltert werden, wo die jeweils sinnvollsten Maßnahmen für das jeweilige Quartier lägen.
Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese forderte bei einer Umsetzung von Maßnahmen einen Handlungsrahmen für eine gleichmäßige Verteilung der finanziellen Belastungen und warnte vor „Trittbrettfahrern“. Damit meint er vor allem Geschäftsleute, die nichts investieren, aber von Verbesserungen des Umfeldes profitieren wollten. Das sieht Wiese als größten Prüfstein.
Christian Kuthe vom Sozialministerium empfahl dagegen, die Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf mögliche „Trittbrettfahrer“ zu konzentrieren. Vielmehr müsse in der Praxis gezeigt werden, wie ein Quartier in Schwung gebracht werden könne, und dass der niedersächsische Ansatz grundsätzlich richtig sei. Denn während Hamburg oder Hessen ihre Projekte in Business Improvement Districts gesetzlich verordnen, setzen die Niedersachsen auf Freiwilligkeit. Sie erhoffen sich dadurch mehr Akzeptanz unter den Beteiligten.
