Köln - Im Strafprozess gegen die frühere Führung des Bankhauses Sal. Oppenheim hat Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz als Zeugin schwere Vorwürfe gegen ihre einstigen Berater erhoben. Sie sei getäuscht und fehlgeleitet worden, sagte die 70-Jährige, die mit der Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor 2009 Milliarden verlor.
Die einstige Großaktionärin sagte am Donnerstag vor dem Kölner Landgericht, sie habe ihre Vermögensverwaltung vor über zehn Jahren in die Hände der Privatbank und des Immobilienmanagers Josef Esch gelegt. „Ich habe Herrn Esch vertraut, ich habe dem Bankhaus Oppenheim vertraut.“ Schon im Vorfeld waren die Vorwürfe von den Anwälten zurückgewiesen worden.
Schickedanz sagte im laufenden Strafprozess aus, der sich gegen die ehemalige Führung der Bank und den Immobilienmanager Esch richtet. Die vier ehemaligen Top-Banker müssen sich teils wegen Untreue in einem besonders schweren Fall, teils wegen Beihilfe dazu verantworten. In der seit einem Jahr laufenden Wirtschaftsstrafsache beteuern alle fünf Angeklagten ihre Unschuld. In einem anderen Prozess hat Schickedanz Sal. Oppenheim und die Ex-Führung des Bankhauses auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagt. In dem seit Ende 2012 laufenden Zivilverfahren fordert sie die gigantische Summe von 1,9 Milliarden Euro Schadenersatz.
Am Donnerstag sagte Schickedanz nun in Köln, sie sei über Geschäftsdetails nicht informiert gewesen und habe in der Regel blind unterzeichnet, wenn man ihr Unterlagen vorgelegt habe. „Sie haben mir gesagt, wir wären eine Familie, es wäre eine Interessensgemeinschaft.“ Das Landgericht wollte von der bisher prominentesten Zeugin wissen, wie ihre Beziehung zu dem Kölner Bankhaus gewesen war.
Die einstige Großaktionärin hatte immer wieder Geld in den Arcandor-Konzern gepumpt, auch mittels Darlehen von Sal. Oppenheim. Als Arcandor 2009 Insolvenz anmelden musste, standen sowohl Schickedanz als auch Sal. Oppenheim vor dem Ruin. Die Kölner Privatbank verlor ihre Selbstständigkeit und gehört seit 2010 in stark verkleinerter Form zur Deutschen Bank.
Der Auftritt von Schickedanz sorgte auch deshalb für Aufsehen, weil sie sich nur selten in der Öffentlichkeit zeigt. Im Zeugenstand präsentierte sie sich als eine unbedarfte Frau, die geschäftliche und finanzielle Verantwortung voll in andere Hände legte.
