Liebe Oldenburger, niemand muss auf der Straße fahren. Alle Radfahrer haben nur mehr Verkehrsraum gewonnen und dürfen sich entscheiden. Zum Beispiel auch, ob sie beim Linksabbiegen zwei Ampelphasen warten oder sich auf der Straße einreihen wollen. Letzteres werde ich gerne zukünftig nutzen, vor allem wenn es regnet. Und Fahrausweise bringen nur dann etwas, wenn man sich an Gelerntes hält. Eines sollten sich alle Verkehrsteilnehmer bewusst machen, bei einem Unfall hat der Radfahrer oder Fußgänger ganz bestimmt den größeren Schaden.
Oldenburg: radfreundlich – fußgängerfreundlich? Vermutlich stimmt es, denn Radler fahren kreuz und quer, auch auf der falschen Seite, es wird ja sowieso nicht kontrolliert. Mit der Wendigkeit der Jugendlichen und jungen Leute fährt aber nicht jeder – man frage mal die anderen. Von den Radwegen kann man nicht behaupten, dass sie gut in der Abgrenzung zu den Fußwegen zu erkennen sind. Besucher unserer Stadt sind gefährdet. Fußgänger hingegen werden nie erwähnt, insbesondere wie es um ihre Sicherheit steht, zum Beispiel auf den oft zu schmalen Fußwegen und auf dem „historischen“ Holperpflaster auf dem Markt sowie um die Lambertikirche. Es gäbe noch vieles zu tun.
(...) Seit meiner Grundschulzeit vor knapp 50 Jahren durchkreuze ich die Stadt per Rad. Einst alternativlos, heute selbstverschuldet kämpfe ich mich gegen Wind und Wetter morgens zur Arbeit, während andere bei Zimmertemperatur im Auto sitzend Stefanies Frühstücksradio lauschen. Warum? Schon gleich bei der Ankunft werde ich belohnt, wenn ich mit warmem Händedruck meine Kollegen begrüße, die gerade ihren Computer und sich hochfahren.
Es gäbe noch viele weitere Argumente aufzuzählen. Es gibt auch viele dagegen – nicht nur den inneren Schweinehund. Mich macht nur eines traurig, wenn ich morgens auf dem Fahrrad sitze und über Oldenburgs Straßen flitze: die mit Schülern prall gefüllten Linienbusse und die Vorstellung, dass ihnen noch ein ganzer Tag sitzend in der Schule bevorsteht. Oder die vielen Grundschulkinder, die von ihren sorgenvollen Eltern mit dem Auto bis vor die Aula gebracht werden. Hängt das eine nicht mit dem anderen zusammen?
Alles muss in frühen Jahren gelernt werden. Sollten wir (Eltern, Schulen, Politik) das Thema Radfahren nicht ein bisschen mehr in unser Leben rücken? Wie leicht und leidlos lässt sich dann in späteren Jahren an den im Stau stehenden, Frühstücksradio hörenden Zeitgenossen vorbei über Oldenburgs wunderschöne Radwege flitzen.
Endlich ist es soweit! Endlich brauche ich nicht mehr mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren, sondern mit dem Auto. Wenn jetzt die Radfahrer auf der Straße fahren müssen, werden doch sicher die Radwege zu Parkplätzen freigegeben.
Die Radfahrer, die zu geizig sind, um sich ein Auto zu kaufen, wirken sehr gut zur Verkehrsberuhigung.
Die Schilder für „Tempo 30“ können eingespart werden. Wer kann dann noch so schnell fahren?
