Harpstedt - Es war ein Aufregerthema der NWZ -Podiumsdiskussion in Harpstedt am Donnerstagabend im Hotel zur Wasserburg: Die ehemalige Kartoffelschnapsbrennerei beim Harpstedter Bahnhof diene offenbar als Güllelager, hieß es. Von einer stinkenden braunen Masse in alten, undichten Behältern ist die Rede. Der Grüne Kandidat für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters, Götz Rohde, brachte das Thema am Donnerstag auf. Schnell zeigte sich, dass auch andere Kandidaten und auch weitere, im Saal anwesende Lokalpolitiker entsprechende Gerüchte bereits kannten und Nachforschungen angestellt hatten.
Allerdings sei erst am Donnerstag der Landkreis über den Verdacht informiert worden, erklärte Oliver Galeotti, Pressesprecher des Landkreises, am Freitag auf Nachfrage der NWZ . Mitarbeiter der Kreisverwaltung seien am Freitag nach Rücksprache mit dem Eigentümer vor Ort gewesen und hätten das Gelände und dort befindliche Schächte untersucht.
Klar ist inzwischen: Das Unternehmen Güllebank Weser-Ems hat das Brennerei-Gelände in einer Versteigerung im vergangenen Jahr erworben, einige Fahrzeuge des Unternehmens stehen dort.
In Schächten auf dem Gelände, so erklärte Galeotti, lagere aber – entgegen der Gerüchte – keine Gülle. Vielmehr handele es sich um Kartoffelschlempe, also Reststoffe aus der Schnapsproduktion. Diese seien offenbar bereits älter. Der Betreiber habe erklärt, er werde die Rückstände entsorgen, so Galeotti.
Allerdings dürfte auf dem Gelände eigentlich keine Schlempe mehr lagern. Lüder Wessel, Mitglied der Brennereigenossenschaft, die das Gelände bis zum Produktionsschluss vor dreieinhalb Jahren nutzte, erklärte gegenüber der NWZ , dass „die Schlempe ordnungsgemäß entsorgt wurde“. Die Schächten seien bei der Übergabe leer gewesen, er selbst habe sie gespült. Nach NWZ -Informationen sollen Proben des Materials in den Schächten jetzt untersucht werden.
Uneinigkeit herrscht auch darüber, was derzeit auf dem Gelände geschehen dürfte. Früher wurden dort auch Rinder gehalten, die mit den Reststoffen aus der Schnapsproduktion gefüttert wurden. Edelhard Brinkmann, Geschäftsführer der Güllebank Weser-Ems, berief sich am Freitag gegenüber der NWZ auf Baugenehmigungen, die noch der Landkreis Syke erteilt habe. Diese Genehmigungen seien nicht mehr gültig, erklärte dagegen Oliver Galeotti. Es habe zwar Gespräche mit dem neuen Eigentümer über die Nutzung des Geländes gegeben, bisher lägen dem Kreis aber keine Anträge für eine neue Nutzung vor.
Auch die DHE, direkter Nachbar zur alten Brennerei, wartet auf ein schlüssiges Konzept von Brinkmann. Beide Parteien befinden sich in einer juristischen Auseinandersetzung, denn der einzige Weg zur Brennerei führt über DHE-Gelände. „Wir haben Brinkmann kein Wegerecht eingeräumt. Unsere Bahnübergänge sind für die Belastung durch große Silofahrzeuge nicht geeignet“, erklärt Geschäftsführer Harald Wrede.
Stefan Wacholder, Ratsherr im Flecken, hat neben der Frage, was auf dem Gelände lagert, noch ein weiteres Problem. Das Areal berge zahlreiche Gefahren für spielende Kinder, warnt er.
Noch am Freitag erläuterte Edelhard Brinkmann gegenüber der NWZ seine Pläne, die so kaum jemand erwartet haben dürfte: Langfristig, so Brinkmann, plane er auf dem Gelände eine Wohnanlage für Senioren zu entwickeln. Das Gelände eigne sich dafür aufgrund seiner Lage in der Natur und seine Nähe zu Versorgungseinrichtungen optimal.
Mit Samtgemeinde und Flecken seien diese Pläne noch nicht erörtert worden, sagte Ingo Fichter, Gemeindedirektor im Flecken und allgemeiner Stellvertreter des Samtgemeindebürgermeisters. Für eine Umsetzung müsse auf jeden Fall zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden, so Fichter, auch eine Flächennutzungsplanänderung sei vermutlich nötig. Der NDR, der das Thema ebenfalls recherchiert hatte, verzichtete am Freitag kurzfristig auf eine angekündigte Ausstrahlung.
