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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Rätsel um Motive des EWE-Personalchefs

20.09.2016

Oldenburg Nach dem sofortigen Ausscheiden des bisherigen Personalvorstandes Nikolaus Behr bei der EWE bleiben einige Fragen offen. Vor allem: Warum hat er die Bespitzelung eines früheren Mitarbeiters mit Führungsfunktionen veranlasst?

„Das Motiv ist schwer zu erkunden“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Stephan-Andreas Kaulvers am Montag auf Anfrage. „Es erschließt sich uns nicht wirklich.“ Kaulvers deutete an, dass es eher private Aspekte gebe, zu gleich aber auch welche aus der beruflichen Tätigkeit.

Kurz zuvor hatte Behr bei einer außerordentlich anberaumten Sitzung des Kontrollgremiums seinen Rücktritt angeboten, der angenommen wurde. Seit 9. September war er bereits mit sofortiger Wirkung freigestellt worden.

Vorangegangen waren interne Ermittlungen bei der EWE. Es habe Hinweise auf die Überwachungsaktivitäten gegeben. Vorstand und Aufsichtsrat seien dann sofort aktiv geworden. Man habe „Anwälte recherchieren lassen“, erläuterte EWE-Chef Matthias Brückmann.

In Lübeck laufen unterdessen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Diese richten sich aber nicht gegen Behr, sondern gegen eine Detektei, wie eine Sprecherin gegenüber der NWZ erläuterte.

Der frühere Mitarbeiter, der bespitzelt wurde – konkret ging es offenbar um die Fahrstrecken seines Autos, mit einer GPS-Ortungstechnik – war einst bei EWE Netz Angestellter mit gewissen Führungsfunktionen gewesen. EWE Netz, deren Geschäftsführer damals Nikolaus Behr war, wollte den Mann nach Vorwürfen zu seinem Führungsstil loswerden. Man kam damit vor Arbeitsgerichten in mehreren Instanzen aber nicht durch – weder mit den Vorwürfen zum Verhalten, noch mit Einschätzungen zu seinem Status („Leitend“ oder nicht?).

Dieser hartnäckige Streit begleitete Behr auf seinem weiteren Weg. Er kam 2012 in den EWE-Vorstand. Die Bespitzelung sei eine „einseitige Entscheidung von Herrn Behr“ gewesen, hieß es nun.

Aktuell ist noch ein Verfahren um den EWE-Konzern und den Ex-Mitarbeiter vor dem Landesarbeitsgericht in Hannover anhängig, wie Recherchen der NWZ ergaben. Derartig lange Streits seien bei Führungspersonal nicht gerade üblich, heißt es in Gerichtskreisen.

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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