Cloppenburg/Bösel - Der Landkreis Cloppenburg hat nach einem erneuten Vogelgrippe-Fall die Stallpflicht bis Ende April verlängert. Damit geraten die Eierproduzenten in der Region wirtschaftlich unter Druck, weil Eier von Hühnern in konventioneller Haltung nicht mehr als Freilandware verkauft werden dürfen, wenn die Tiere länger als zwölf Wochen im Stall waren. Fachleute rechnen mit einem Preisverlust.
Ursprünglich sollten die Tiere bis Anfang Februar in den Ställen bleiben, nun wurde die Pflicht bis zum 30. April verlängert, teilte der Landkreis am Donnerstag mit. In dem neuen Fall wurde der Vogelgrippe-Erreger in einem Betrieb im Böseler Ortsteil Hülsberg mit rund 7500 Putenhähnen festgestellt. Es gibt einen Kontakt zu zwei weiteren Betrieben. Insgesamt wurden 22 500 Tieren getötet. Das abschließende Prüfergebnis des Friedrich-Loeffler-Instituts stehe noch aus, hieß es.
Um den Ausbruchsbetrieb herum wurde ein Sperrbezirk mit einem Radius von drei und ein Beobachtungsbezirk von mindestens zehn Kilometern eingerichtet. Im Sperrbezirk befinden sich 17 Geflügelhalter mit knapp 104 000 Tieren, im Beobachtungsgebiet sind es 185 Betriebe mit rund 2,3 Millionen Tieren. Wie das Virus in die Ställe gelangen konnte, ist weiter unklar. Unterdessen werden die Zweifel an der sogenannten Wildvogeltheorie immer lauter. Das nationale Referenzlabor, das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems, geht davon aus, dass das Virus über Wildvögel verbreitet wird und möglicherweise durch Wind oder Mäuse in die Ställe weitergetragen wurde.
Kritiker bezweifeln das und fordern, stattdessen die Geflügelwirtschaft selbst und ihre Transportwege stärker zum Gegenstand der Untersuchungen zu machen. Die Diskussion, ob möglicherweise seit Wochen zu einseitig ermittelt wird, hat jetzt auch den Deutschen Bundestag erreicht. In einer sogenannten Kleinen Anfrage an die Bundesregierung fragt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen unter anderem, ob es Hinweise gebe, „die Zweifel an der vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) vorgelegten Verbreitungstheorie aufwerfen“. Konkret möchten die Grünen-Abgeordneten vor allem wissen, ob – wie von Ornithologen wiederholt behauptet – die infizierten Wildvögel nicht zu krank seien, um das Virus so verbreiten zu können, wie es das FLI nahelegt.
Gefragt wird zudem, ob der Regierung die GPS-Daten ungarischer Geflügeltransporte vorliegen, die im Oktober und November vorigen Jahres Tiere nach Deutschland gefahren haben. Der gefährliche Erreger H5N8 war zunächst in Ungarn aufgetreten, bevor er in deutschen Ställen nachgewiesen wurde.
Die Bundesregierung hat um eine Verlängerung der Frist gebeten und will die Kleine Anfrage nach Auskunft der Grünen nun bis zum 10. Februar beantworten.
