RAHRDUM - Wenn alles nach Plan geht, dann sollen ab Ende 2010 rund 180 Haushalte in Rahrdum Heizung und Warmwasser aus dem Rahrdumer Nahwärmenetz beziehen. „Ich bin optimistisch, dass wir das hinbekommen“, sagt Enno Beenken, auf den die Initiative zurückgeht.
Beenken betreibt auf seinem Hof an der Langelandstraße eine Biogasanlage und speist Strom ins Netz ein. Doch 60 Prozent der Leistung, 200 Kilowatt, entweichen ungenutzt als Wärme. Das will Beenken ändern und bietet die Wärme deshalb einer Energiegenossenschaft zur Nahwärmeversorgung an (die NWZ berichtete). Hintergrund ist, dass der Bund die Wärmenutzung mit einem neuen Bonus für Kraft-Wärme-Kopplung mit drei Cent pro Kilowattstunde vergütet.
„Unser größtes Problem ist, dass viele Anwohner der Langelandstraße die Biogasanlage und insbesondere den Lieferverkehr ablehnen“, sagt Wolfgang Fischer aus Rahrdum, Leiter der Projektgruppe „Nahwärmegenossenschaft Rahrdum“. Viele befürchteten nun, dass die Biogasanlage erweitert wird. „Das ist nicht geplant“, betont Fischer.
Stattdessen soll die Wärmeenergie aus der Biogasanlage als Grundlast zur Wärmeversorgung von 180 Häusern dienen. Hinzu kommt maximal 1 Megawatt Wärmeenergie, die Beenken über zwei Hackschnitzelkraftwerke auf seinem Hof als zusätzliche Laststufen gewinnen will. Mit dem Bau eines Reservekraftwerks stellt Beenken sicher, dass die Wärmeabnehmer zu keiner Zeit im Kalten sitzen. „Das bedeutet, dass die Anlieger mit acht bis zwölf Lastwagenfahrten pro Jahr mehr rechnen müssen“, sagt Fischer.
Geplant ist, dass Beenken seine Wärmeenergie an die Energiegenossenschaft verkauft. Die Genossenschaft baut und wartet das Nahwärmenetz und stellt die Wärmetauscher für die Haushalte zur Verfügung. „Unser Ziel ist, Energie rund 35 Prozent günstiger zur Verfügung zu stellen als die großen Energieversorger“, so Fischer.
Wird die Genossenschaft gegründet, hätten die Rahrdumer nicht mehr nur den Verkehr zur Biogasanlage, sondern auch einen finanziellen Vorteil. Kommt es nicht zur Gründung der Genossenschaft, hat nur Landwirt Beenken etwas von der Biogasanlage: Dann wird er Alternativen zur Wärmenutzung in Erwägung ziehen – etwa eine Holztrocknung einrichten. Auch dann kommt der Kraft-Wärme-Bonus zum Tragen.
„Der Nachteil wäre, dass dann der Lastwagenverkehr über die Langelandstraße massiv zunimmt – und das wollen wir vermeiden“, sagt Fischer.
