Kleinensiel - Karl Ramler gibt die technische Leitung des Kernkraftwerks Unterweser (KKU) ab. Am 1. Juli übernimmt der bisherige Produktionsleiter Gerd Reinstrom den Posten. Allerdings geht der knapp 63-jährige Ramler nicht in den Ruhestand, sondern übernimmt einen neuen Top-Job: Er wird für Eon den Rückbau von Kernkraftwerken koordinieren. Bei seinem ersten Auftrag geht es um das KKU.
Karl Ramler fährt derzeit zweigleisig: Schon zum 1. Juni ist er in die Geschäftsführung der Eon New Build & Technology GmbH (ENT) in Hannover gewechselt, um dort den neuen Geschäftsbereich „Nuklearer Service“ zu leiten. Bislang ist er der einzige Mitarbeiter, doch bis zum Jahreswechsel sollen es etwa 100 werden. Dann soll der „Nukleare Service“ auch von einem Geschäftsbereich in eine Eon-Tochter umgewandelt werden.
Bis zu 500 Mitarbeiter
Denn er soll auch für andere Kernkraft-Betreiber arbeiten – sowohl beim Rückbau als auch beim Neubau von Kernkraftwerken. Sollte dieses Geschäftsfeld gut anlaufen, könnte es irgendwann 500 Mitarbeiter beschäftigen.
Die sollen überwiegend Ingenieur-Leistungen erbringen, also ein Konzept für den Rückbau und den sicheren Restbetrieb erstellen und die Arbeiten überwachen. Dass Mitarbeiter dieses Geschäftszweiges selbst mit Hand anlegen, wird vorkommen, ist aber nicht die wesentliche Aufgabe. Insgesamt, schätzt Karl Ramler, könnte das Unternehmen eines Tages 200 Ingenieure beschäftigten.
Zunächst wird es seine Mitarbeiter bei Eon und seinen Tochtergesellschaften selbst rekrutieren. Erst in einer späteren Phase könnten auch Kräfte von außen hinzukommen. Auch bestimmte Arbeitspakete beim Rückbau will das neue Unternehmen von außen einkaufen.
Schwerpunkt der Arbeiten soll selbstverständlich der Rückbau des nuklearen Teils der Kernkraftwerke werden, weil die den größten Aufwand verursachen, sagt Karl Ramler. Dabei ist es das Hauptziel, den endlagerbedürftigen Anteil so weit wie möglich zu verringern, denn die Endlagerung ist sehr teuer. Bei einem Druckwasserreaktor wie in Kleinensiel kann das Material auf rund 4000 Tonnen reduziert werden, etwa ein Prozent des Materials aus dem nuklearen Bereich.
Generator geht weg
Erster Auftrag der neuen Eon-Tochter wird wohl ab 2016 das KKU sein. Derzeit klagt Eon vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Abschaltung einiger seiner Kernkraftwerke nach der Fukushima-Katastrophe. Solange diese Klage nicht entschieden ist, wird das KKU so geführt, dass es binnen eines Jahres wieder ans Netz gehen könnte. Auch der Generator, der an diesem Donnerstag nach Brokdorf verschifft wird, könnte nahezu jederzeit durch einen neuen ersetzt werden.
Doch das wird wohl nicht passieren. Deshalb ist die Überleitung der Anlage in den dauerhaften Nachbetrieb die wichtigste Aufgabe des neuen Technischen Leiters Gerd Reinstrom. Etwa fünf Mitarbeiter sind komplett mit der Vorbereitung des Rückbaus beschäftigt, weitere 15 zeitweilig. 35 Teams leisten technische Vorbereitung. Sollte der Rückbau schnell vonstatten gehen, wird er zehn Jahre dauern; er könnte aber auch gestreckt oder unterbrochen werden. Offen ist, ob Eon ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Stoffe baut. Es würde 15 Millionen Euro kosten.
