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Erinnerung „Auschwitz waren Schreie und Schläge“

Anna Maria Weiss

RAMSLOH - Mucksmäuschenstill ist es im Konferenzraum des Schulzentrums Saterland, als am Dienstagmorgen Erna De Vries ihre Lebensgeschichte erzählt. Die 88-Jährige ist eine Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz.

Organisiert hatte den Vortrag für eine zehnte Realschulklasse und eine neunte Klasse des Laurentius-Siemer-Gymnasiums Lehrer Stefan Kühling, der auch das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ betreut. Als Partner des Projekts fungiert der Bund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, über den auch der Kontakt zu Erna De Vries hergestellt wurde.

„So oft ich gerufen werde, komme ich, um meine Geschichte zu erzählen“, sagt Erna De Vries. Die 88-Jährige, die in Lathen im Emsland lebt, möchte damit die Erinnerung an die Geschichte aufrecht erhalten, vor allem aber junge Menschen davor warnen, damit nicht ähnliche Gräuel wieder geschehen. Die Last der Vergangenheit begleitet sie ihr ganzes Leben. „Jeder Mensch trägt Verantwortung für den anderen“, gab sie den Schülern mit auf den Weg.

Über eine Stunde lang berichtet Erna De Vries aus ihrer Vergangenheit, zeigte den Schülern gar die Häftlingsnummer, die ihr in Auschwitz auf den Unterarm tätowiert wurde. Sie erzählte von ihrer Kindheit in Kaiserslautern und dass sie nach der Machtübernahme der Nazis zuerst durch die Anfeindungen anderer Kinder und die schlechter laufenden Geschäfte ihrer Mutter – die Familie betrieb ein Transportunternehmen – die Veränderungen für Juden spürte.

Die Veränderungen nahmen zu: Erna De Vries kam in eine Sonderklasse für jüdische Kinder, ihre Mutter musste das Geschäft aufgeben – später kam das Tragen des gelben Sterns hinzu und die Ausweisung sämtlicher Juden aus Kaiserslautern. Die Zerstörung der elterlichen Wohnung war ein weiter Schritt auf dem Weg, der ihre Mutter und Erna De Vries in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau führte. Das Vernichtungslager beschreibt sie so: „Auschwitz, das war Gebrüll, Schläge, Hunger und Tod.“


Ihre Mutter starb dort 1943, Unterzeichner der Todesurkunde war KZ-Arzt Josef Mengele. Erna De Vries überlebte, weil sie als Halbjüdin – der früh verstorbene Vater war Christ – ins Konzentrationslager Ravensbrück überstellt wurde, um Zwangsarbeit zu verrichten.

In ihrem letzen Gespräch sagte ihre Mutter: „Du wirst überleben. Und dann erzähle, was mit uns gemacht wurde.“ Deshalb lautet auch der Titel ihres kürzlich erschienen Buches „Der Auftrag meiner Mutter“.

NWZ

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