RAMSLOH - Auf der Internetseite der Gemeinde Saterland wirbt unter anderem das Bild einer Kuh für das Leben im Nordkreis Cloppenburg. Die Milchbauern des Saterlandes jedoch sind tief besorgt, dass dieses Bild in Zukunft gelöscht werden muss, weil die Landwirte die Milchproduktion aufgeben müssen. „Die Bauern gehen in die Knie“, sagt Milchbauer Bernd Schlangen aus Hollen.
Nach dem Kampf um den Milchpreis mit dem dramatischen Lieferstopp im Mai sehen Milchbauern und Landwirte der Veredelungs-Landwirtschaft, die Nahrungsmittel anbauen, ein weiteres Problem, dass ihre Existenz bedroht: „Der Landhunger der Biogas-Anlagen frisst uns auf“, sagt Schlangen.
Hintergrund: Um genügend Nachschub an Gärmaterial zu bekommen, müssen Betreiber von Biogasanlagen entsprechende Flächen vorweisen, auf denen sie zum Beispiel Mais anbauen können. „Bei einer 500 Kilowattanlage, wie sie derzeit an der B 72 zwischen Scharrel und Ramsloh angedacht ist, sind das immerhin 250 Hektar, bei der geplanten Anlage in Ostrhauderfehn sind es 750“, sagt Heinrich Wahl, Milchbauer aus Scharrel-Bätholt. Dabei sei es aber nicht notwendig, dass die per Pachtvertrag nachzuweisenden Flächen in der Umgebung der geplanten Anlage liegen. „Es kann also sein, dass ein Betreiber Flächen in Brandenburg pachtet und seine Anlage im Saterland baut. Natürlich ist es unwirtschaftlich, die Maispflanzen quer durch Deutschland zu transportieren, und so wird sich der Betreiber Flächen bei seiner Anlage sichern. Und da wird es für uns herkömmliche Bauern eng“, sagt Schlangen.
Durch staatliche Subventionierung könnten die Biogasanlagenbetreiber höhere Pachten bezahlen als klassische Bauern. „Wir brauchen das Land für die Haltung von Milchvieh wie die Luft zum Atmen, aber wir können es uns bald nicht mehr leisten. Der Pachtzins für einen Hektar Land ist von etwa 300 Euro auf jetzt um die 1000 Euro gestiegen und das Ende ist bestimmt noch nicht erreicht. Und hier in der Gegend sind 50 bis 70 Prozent des Landes, das die Bauern bewirtschaften, Pachtland, da kann man sich ausrechnen, wie uns das trifft“, sagt Hermann Fugel, der seinen Hof in Ramsloh-Hollen in direkter Nachbarschaft zur geplanten Biogasanlage hat. Oft riefen Verpächter, bei denen Verträge ausliefen, gleich bei Biogasbetreibern an.
Die Milchbauern appellieren deshalb an die Politik, die Folgen der Genehmigung neuer Anlagen zu bedenken: „Wir sind nicht prinzipiell gegen Biogasanlagen, auch weil dadurch die Gemeinde viel Geld bei zum Beispiel der Schwimmbadbeheizung einsparen kann, aber das Verhältnis muss stimmen“, sagt Schlangen und kündigt eine Informationsveranstaltung am kommenden Donnerstag an (siehe Kasten). Bürgermeister Hubert Frye bestätigte eine Anfrage eines Investors in Scharrel. Jedoch: „Bisher ist in den Gremien über dieses Thema noch nicht gesprochen worden.“
Geringe Verkaufspreise für die Milch und ständig steigende Pachtkosten – diese Kombination könnte für viele Bauern fatal sein: „Hier in Ramsloh haben wir alleine etwa 30 bis 40 Milch- und Veredelungsbetriebe. Viele davon sind von der Entwicklung so stark betroffen, dass ihre Existenz auf dem Spiel steht“, sagt Schlangen. Und wenn erstmal ein Bauer seine Viehwirtschaft aufgibt, fängt an dieser Stelle bestimmt kein Neuer an. „Oft ist es schon heute nur die Tradition, die die Bauern von der Aufgabe abhält“, sagt Hermann Fugel.
Diskussionsrunde
Die Saterländer Bauern
laden alle Interessierten für Donnerstag, 30. Oktober, 20 Uhr zu einem Informationsabend in den Landgasthof Dockemeyer in Ramsloh ein. Auch Gemeinderat und das Landvolk werden eingeladen.Viele Traditionsbetriebe stehen schon jetzt
auf der
Kippe
