RAMSLOH - Für das Haustier wird viel Geld ausgegeben. Für das Nutzvieh fordern die Bauern eine effektive und kostengünstige Behandlung.

von daniela dinstbier

RAMSLOH - „Gott sei Dank haben wir in unserem Praxisbezirk kein Mastgeflügel.“ In Zeiten der Vogelgrippe ist Tierarzt Frank Altehans froh, dass zu seinen Patienten in erster Linie Rinder gehören. Und sein Terminplan ist voll mit vierbeinigen Patienten.

Vor sieben Jahre hatte er die tierärztliche Praxis in Ramsloh übernommen. Damals fanden sich in der Patientenkartei nur Nutztiere wie Rinder, Pferde und Schweine.

Dass er einmal auf dem Land arbeiten möchte, stand für den 36-Jährigen schon zu Beginn des Studiums fest. Berührungsängste mit großen Tieren sind ihm fremd: Seine Kindheit hat er in einem westfälischen Dorf verbracht, und die Bauernhöfe der Umgebung waren seine Spielplätze.

Als sich Altehans auf die Suche nach einer geeigneten Praxis machte, war die Dichte an Landtierärzten noch sehr hoch und die Auswahl groß. „In den vergangenen Jahren haben viele ,Ein-Mann-Nutztierpraxen‘ aufgegeben. Denn es finden sich nur noch wenige junge Ärzte, die eine Nutztierpraxis übernehmen möchten“, weiß Altehans. Denn es sei ein 24-Stunden-Job, bei dem der Arzt ständig in Bereitschaft sein müsse.


Um so erstaunlicher ist es für Altehans, dass mittlerweile 80 Prozent der Absolventen des Veterinärstudiums Frauen sind: „Viele interessieren sich allerdings nur für Pferde oder wollen in einer Kleintierpraxis arbeiten.“ Die meisten seiner Assistentinnen in der Nutztierpraxis sind allerdings auch in Landnähe aufgewachsen. Städter, so seine Erfahrungen, seien oft von dem Rindvieh und den Ställen abgeschreckt.

Auch die Bauern müssen sich aufgrund der überwiegend weiblichen Berufsanfänger umstellen. Aber, so Altehans, die jungen Hofleiter seien bereits viel aufgeschlossener. „Junge Ärzte müssen sich sowieso beweisen. Wenn dann beispielsweise eine Geburt gut gelaufen ist, bricht meist das Eis“, weiß der Ramsloher Tierarzt.

Aber das Verhältnis zwischen Bauer und Arzt habe sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich geändert. Die „familiäre Bindung“ sei nicht mehr vorhanden, der Tierarzt werde nicht mehr so hofiert, wie es noch früher der Fall gewesen war. Heute gehe es viel mehr um eine effektive Behandlung des Nutztiers, da es ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Hofes, eine Produktionseinheit, sei. „Der Bauer erwartet heute eine wirtschaftlich sinnvolle Behandlung“, beschreibt der 36-Jährige die Erwartungen.

Dagegen hat sich die Beziehung zum Haustier deutlich gewandelt. Sie sei persönlicher geworden, sagte Altehans, der auch eine Kleintiersprechstunde anbietet. Für den Hund, die Katze oder auch das Kaninchen werde nicht so sehr auf das Geld geachtet. Im Vordergrund stehe vielmehr, dass das Tier am Leben bleibe, egal, was es koste.

Das Herz von Altehans schlägt allerdings für das Nutzvieh: „Das Verhältnis zum Tier ist auf dem Land viel natürlicher. Hier wird nichts verklärt. Wenn nichts mehr geht, dann muss eben der Schlachter kommen, und dann muss alles ausgesprochen werden dürfen“, erklärt Altehans seine Entscheidung für das Land. Und dazu gehört auch, dass er unter Umständen Betriebsinhabern die Schlachtung einer Kuh empfehlen muss: zum Wohle des Tieres und des Bauern.

Die „familiäre“ Einbindung des

Tierarztes an den Hof ist nicht mehr so stark