RASTEDE - In die 950-jährige Geschichte des Jubiläumsortes Rastede fügt sich nun auch die Hubertusstraße ein - und schreibt ein gutes Stück Historie mit. Denn vor genau 50 Jahren wurden hier die ersten Häuser gebaut und bezogen. 30 Häuser finden sich an dieser Straße, 70 Bewohner bilden die Nachbarschaft, die besser gar nicht sein könnte, bekräftigen Waltraud und Heinz Meinardus, Hanna Budde, Marga und Helmuth Weber, Harald Holthaus, Hanna Budde sowie Ilse und Kalli Müller übereinstimmend. Und in dieser Gemeinschaft feierten sie Ende August das 50-jährige Bestehen ihrer Straße mit einem kleinen Marsch durch die Straße und einer Feier im Garten der Müllers.
Gegenüber der NWZ erinnern sich vor allem die Ehepaare Meinardus und Weber an die Bauzeit vor 50 Jahren, als rings um das Baugebiet nur Wiesen lagen. Zuvor war hier Sand abgebaut und danach die Kuhle mit allem Möglichen wieder aufgefüllt wurde: Mutterboden, Sand, Findlinge. Vielen sind die Wände wieder eingebrochen, als das Fundament gerade ausgehoben war, blicken die Bewohner zurück und erinnern sich an die schwere Arbeit mit Schaufel und Schubkarren, denn Bagger konnte sich damals so gut wie niemand leisten.
Und doch wurden die schmucken Häuser fertiggestellt trotz des widrigen Bodens und der überlasteten Handwerksfirmen, von denen manche alle Aufträge annahmen, aber gar nicht erfüllen konnten. Also wurde vieles selbst gemacht und wir alle haben uns gegenseitig geholfen, wissen Webers und Meinardus', und das mag mit ein Grund dafür sein, dass die Nachbarschaft bis heute zusammenhält, ohne dass wir ständig aneinander kleben, erklärt Kalli Müller.
Das gute Einvernehmen zeigt sich bei vielen Gelegenheiten. Da wird bei Geburtstagen natürlich persönlich gratuliert oder beim Schneeschippen spontan zum Grog eingeladen, und die Kohlpartie im Winter ist fester Bestandteil im Terminkalender.
Für 3,50 Euro pro Quadratmeter konnten die ersten Grundstücke erworben werden, die bald im Preis stiegen. Die ersten Siedler konnten die Flächen auf Erbpacht von der Gemeinde erwerben, die meisten haben sie aber bald ganz bezahlt.
Noch spartanisch wurden die Häuser damals gebaut, in jedem Raum ein Schalter und eine Steckdose. Wer Glück hatte, bekam Asphalt für den Küchenboden, einmal unter der Hand für eine Kiste Bier. Fliesen waren noch Luxus, es gab einen Maler, der die Wände vor dem Streifen mit dünnen Klebestreifen abdeckte, der hatte bald den Spitznamen 'Maler Flieseneffekt'.
Die Hubertusstraße war damals eine Kleinsiedlung, das heißt: wer Zuschüsse haben wollte, musste einen Stall vorweisen. Ein Schwein hat aber niemand gehabt wir haben vielmehr an ein Auto gedacht. Dafür allerdings waren die Ställe meistens wieder zu klein und es musste angebaut werden.
Die Hubertusstraße hat noch eine Besonderheit. Über Jahrzehnte war das Pastorenhaus bewohnt, bis zur Einsparung der letzten Stelle. Und so gehörten die Pastoren Duwe, Jürgens und Teuber ebenso zur Nachbarschaft wie zuletzt Pastorin Uta Andree die danach Oberkirchenrätin bei der Landeskirche in Hannover wurde und heute Persönliche Referentin des Ratsvorsitzenden im Kirchenamt der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) ist.
