RASTEDE - Nein, schon immer zu Hause im Stall herumgelaufen oder auf einem Hof groß geworden ist sie nicht. Als Tochter eines selbstständigen Tischlers und einer Bürokauffrau hat sie ein ganz anderes Leben kennen gelernt. Ninja Bruns aus Rastede hat sich dennoch für eine Ausbildung zur Landwirtin entschlossen. „Eigentlich wollte ich Tierärztin werden“, erzählt die 19-Jährige. Einem erfolgreichen Realschulabschluss sollte das Abitur folgen. Ein Schulpraktikum in der Überbetrieblichen Aus- und Weiterbildungsstätte Wehnen, in der zentralen Ausbildungsstätte der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen für die Bereiche Schweinehaltung und Pflanzenbau, gab den Ausschlag dafür, dass sie ihre schulische Ausbildung nach der 11. Klasse beendete.

Aufbauend auf dem Interesse an Tieren, Umwelt, Natur und auch Technik formte sich ihr Berufswunsch. Heute bereits im letzten Ausbildungsjahr, das sie auf dem Hof Helmers am Logemanns Damm absolviert, ist sie in der Gemeinde Rastede die einzige weibliche von insgesamt zehn Auszubildenden in dem Agrarberuf. „Im Ammerland ein repräsentativer Prozentsatz“, wie Dipl.-Ing. agr. Karl-Heinz Brett bemerkt. Er ist bei der LWK Niedersachsen, Bezirksstelle Oldenburg-Nord, als Berater für Ausbildung tätig und betreut etwa 50 Ausbildungsbetriebe mit aktuell insgesamt 79 Auszubildenden. „Ein steigender Anteil von etwa 30 Prozent der Auszubildenden ist branchenfremd“, berichtet er weiter. Eine Entwicklung, die auf mehrere Faktoren zurück zu führen ist: Bei den wachsenden Landwirtschaftsbetrieben besteht großer Bedarf an fachlich qualifizierten Arbeitskräften. Nach der Ausbildung bietet sich ein umfangreiches Portfolio von Fortbildungsmöglichkeiten, ebenso vielseitig wie die Ausbildung selbst.

Ninja Bruns kann sich bis heute keinen „reinen Bürojob“ vorstellen, wobei Bürotätigkeit und betriebswirtschaftliche Kenntnisse auch zum Berufsbild der Landwirtin gehören. Morgens um 6 Uhr beginnt ihr Arbeitstag mit Melken. Mit der computergestützten Melkanlage auf dem Hof von Landwirtschaftsmeister Detlef Helmers braucht man bei 120 Milchkühen dafür gute zwei Stunden. Angefangen bei der Betreuung der Tierbestände bis zur richtigen Fütterung, macht die Milcherzeugung Ninja Bruns am meisten Spaß: „Es ist einfach ein befriedigendes Gefühl, dafür zu sorgen, dass ein gesundes Lebensmittel, sprich gute Milch, im Kühlregal eines Marktes steht.“ Der Wermutstropfen sind die Wochenenddienste, „doch an die gewöhnt man sich“, so die angehende Landwirtin. Die vielen unterschiedlichen Arbeiten im Jahresverlauf und die stetige Abwechslung zwischen Tier und Maschine lassen keine Langeweile aufkommen. Morgens bei der Geburt eines Kälbchens dabei, hieß es dieser Tage nachmittags für die Auszubildende, bei der Gras- und Maissilageernte erstmalig den neuen Schlepper zu fahren. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn „jeder unnötige Aufenthalt kostet Geld“, so Helmers, der im sechsten Jahr ausbildet und sich darüber hinaus aktiv im Prüfungsausschuss der LWK engagiert.

Als das Fahrsilo noch vor dem Regen mit Folie abgedeckt werden konnte, war die Freude groß. Das ist es, was den Reiz ausmacht, da sind sich Ninja Bruns und ihr 18-jähriger Kollege Jan-Niklas Onken einig: „Am Ende eines Tages hat man das Gefühl, dass man was geschafft hat.“