RASTEDE - Ein Besuch in „Jan Pastor sien Hus“ reicht kaum aus, um alles zu sehen. 30 Jahre lang hat Walter Brötje die Exponate zusammengetragen.
von wolfgang müller
RASTEDE - Wer aus diesem verregneten Sommer das Beste machen will, der geht ins Museum – zum Beispiel ins Bauernmuseum in Rastede. Es ist eines der größten Privatmuseen in der Region – und auch das geschichtsträchtigste, denn die Exponate auf 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche befinden sich an der Raiffeisenstraße 60 im „Brötjehof“ – und der ist im Jahre 1666 entstanden und bekannt auch als „Jan Pastor sien Hus“.Und hier kann sich der Gast in längst vergangene Zeiten versetzen lassen. Walter Brötje, früher Betriebsleiter der ehemaligen Landwirtschaft des Landeskrankenhauses Wehnen, hat in mehr als drei Jahrzehnten alles gesammelt, was einst in Land- und Hauswirtschaft zum Inventar gehörte, und zu jedem einzelnen Exponat kennt er Geschichte und Geschichten.
Da ist die Pumpe für den Dampfkessel, der vor 200 Jahren die Dampfmühle an der Raiffeisenstraße antrieb. Energie gibt‘s an der Stelle, an der einst die Mühle stand, jetzt in anderer Form: hier befindet sich heute eine Tankstelle.
Stauch- und Bohrmaschinen, wie sie heute kaum noch jemand kennt, sind zu sehen, gegenüber wird die Kindheit aus alter Zeit wach – mit Schulbank, Ranzen, Griffelmappe und einem Tretroller.
Kutschen erinnern an herrschaftliche Zeiten, daneben finden sich unzählige Relikte aus der Landwirtschaft von einst. Da treibt der „Kurbelmax“ einen Blaukohlschneider an, lässt die Feldschmiede auf die harte Arbeit am Amboss schließen und der Jauchewagen mit dem 200-Liter-Holzfass auf Holzrädern das Bild vor Augen entstehen – die Eltern ziehen, die Kinder schieben hinten nach. Das Museum verklärt nicht, vielmehr wird deutlich, welche körperliche Schwerarbeit in der so genannten „guten alten Zeit“ geleistet werden musste. „Aber ich kann mir vorstellen, dass die Menschen damals ausgeglichener und zufriedener waren als in der heutigen hektischen Zeit“, meint Walter Brötje.
Was für die Landwirtschaft gilt, trifft auch auf die Hauswirtschaft zu, die ebenfalls einen breiten Raum im Museum einnimmt. Hier steht beispielsweise die Waschmaschine aus dem Jahre 1912. Was heute ein Elektromotor leistet, musste die Hausfrau damals mit der Kraft ihrer Arme bewältigen. Ob Hausschlachtung oder Bäckerei, Schuhmacherei (die komplette Werkstatt von Max Ostendorf aus Neusüdende ist hier ausgestellt) oder Molkerei: Walter Brötje lässt alle Bereiche zur Geltung kommen.
Dabei gibt es nicht nur viel zu sehen, sondern auch zu hören. Bei Führungen laufen die Motoren des Lanz Bulldogs und des Allgaiers und auch einiger Erntemaschinen, „damit Musik im Saal ist“.
Wer zwischendurch zur Ruhe kommen möchte: ein Aufenthaltsraum steht zur Verfügung. Und auch hier wird der Gast von der Vergangenheit eingeholt: Bilder an den Wänden stellen die Arbeit längst vergangener Zeiten dar.
