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Automatisierte Herstellung Von Schutzmasken Mit Luftfahrt-Technologie gegen Corona

Rastede/Essen/Oldenburg - Was haben ein Maschinenbauunternehmen im Bereich Luft- und Raumfahrt und ein Krawattenhersteller gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Und doch haben Broetje-Automation aus Rastede und die Klünemann Krawattenmanufaktur aus Essen/Oldenburg jetzt für ein wohl einmaliges Projekt zusammengefunden. Unter dem Namen „AutoMASK“) haben sie gemeinsam mit der Entwicklung einer automatisierten Schutzmaskenproduktion begonnen.

Ideen von Mitarbeitern

„Wir müssen die Corona-Krise auch als Chance sehen“, sagt Lutz Neugebauer, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Broetje-Automation. Das Unternehmen hatte im Frühjahr einen Ideenwettbewerb unter den Mitarbeitern gestartet. 77 Ideen seien eingereicht worden, eine von ihnen „AutoMASK“. Die Überlegung: Etablierte Fertigungsverfahren aus der Luftfahrtproduktion zu modifizieren und in die Textilindustrie zu überführen.

Auf der Suche nach einem Partner stießen sie auf den Krawattenhersteller aus dem Kreis Cloppenburg. „Bei Klünemann wissen sie, wie man mit Stoffen umgeht, wir wissen, wie man Dinge automatisiert“, so Neugebauer über die ungewöhnliche Partnerschaft.

zwei Unterschiedliche Partner

Die Klünemann Krawattenfabrik wurde 1991 von Alfons Klünemann gegründet. Der Familienbetrieb aus Essen (Oldenburg) produziert mit rund 30 Mitarbeiter Krawatten, Schleifen, Einstecktücher, Hosenträger und vieles mehr. Eine Spezialität ist es, Einzelhändlern fehlende Accessoires binnen eines Tages zu liefern.

Broetje-Automation stellt Maschinen und Anlagen für die Montage von Flugzeugen und deren Einzelteilen her und gilt als einer der weltweit führenden Experten für Produktionsprozesse in der Luftfahrt. Das 1979 gegründete Unternehmen mit Sitz in Rastede beschäftigt 400 Mitarbeiter und ist weltweit an 23 Standorten vertreten.

Klünemann hatte schon wenige Tage, nachdem Mitte März die Textilhäuser schließen mussten, in der eigenen Näherei mit der Produktion von Masken begonnen. Spätestens als es Anfragen aus der Gemeindeverwaltung in Essen und Firmen gegeben habe, habe man gesehen, wie groß der Bedarf ist, sagt Geschäftsführer Alfons Klünemann. Als Broetje ihnen die Idee vorgestellt hatte, habe man ihr schnell offen gegenübergestanden. „Weitere Schritte zur Automatisierung bieten auch die Chance, wieder mehr Textil-Produktion nach Deutschland zu holen und damit auch Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen“, sagt er.

Am 1. August startete „AutoMASK“ offiziell. Ziel ist es, binnen sechs Monaten einen Demonstrator, eine Art Vorstufe für ein marktreifes Produkt, zu entwickeln. Können mit herkömmlichen Verfahren 700 wiederverwendbare Masken pro Tag hergestellt werden, sollen durch die Automatisierung 3000 produziert werden, sagt Raphael Reinhold von Broetje. Und in Rastede denkt man schon weiter: Das Projekt könne als Pilotanwendung für weitergehende Schritte in Sachen Automatisierung in der noch überwiegend von Handarbeit in Fernost geprägten Textilproduktion dienen, etwa bei der Fertigung von T-Shirts und Jeans.

Land fördert Projekt

Das niedersächsische Wirtschaftsministerium fördert das Projekt mit knapp 190 000 Euro. Wenn es etwas Positives an Corona gebe, dann das: „Krisen machen erfinderisch“, meinte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU/Berne) bei der Überreichung des Förderbescheids. Das Beispiel Broetje-Automation/Klünemann zeige, wie fruchtbar es sein könne, Menschen aus unterschiedlichen beruflichen Perspektiven zusammenzubringen, um gemeinsam kreative Lösungen zu entwickeln.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft
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