RASTEDE - Die Rück-Übernahme von Energienetzen in die Eigenverantwortung von Kommunen und die Organisation einer eigenen dezentralen Energieproduktion in Form von Genossenschaften werden in immer mehr Gebietskörperschaften zum Thema – auch im Nordwesten. Das wurde am Mittwoch beim „Genossenschaftstag Weser-Ems“ in Rastede deutlich.
Die Übernahme von Netzen, die bisher von großen Versorgern betrieben würden, in Eigenregie sei „machbar“. Das betonte Helmut Eicker, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Teutoburger Energie Netzwerk eG (41 000 Strom- und Gaskunden) vor rund 200 Spitzenrepräsentanten von Städten und Gemeinden der Region. Hunderte Kommunen seien interessiert. Allerdings gehe die Übernahme in Eigenregie wohl kaum ohne gerichtliche Auseinandersetzungen. So lägen erfahrungsgemäß die Kaufpreisvorstellungen für die Netze weit auseinander. Es gebe auch massive Interessenkonflikte mit Großkraftwerksbetreibern. Eicker riet zu einer Öffnung der Netz-Finanzierung für Investoren. Dafür böten sich Genossenschaften an. Sie bedeuteten „Energieversorgung in Bürgerhand“.
Hier setzt auch der beim Genossenschaftstag federführende Genossenschaftsverband Weser-Ems an, wie Verbandsdirektor Georg Litmathe deutlich machte. Man führe „eine Reihe von Gesprächen“. In wenigen Jahren seien bereits mehr als 40 regionale Genossenschaften im Bereich Energie entstanden. Vorteil des genossenschaftlichen Ansatzes sei etwa, dass Kapital aus der Region in der Region investiert werde und die Bürger bei den Aktivitäten „mitgenommen“ werden könnten.
Hintergrund der Aktivitäten: Im im Nordwesten laufen Konzessionsverträge aus. Diese vergeben das Recht, Leitungen im jeweiligen Gemeindegebiet zu betreiben. Manche Gemeinde erwägt (auch im Oldenburger Land/Ostfriesland), dies in Eigenregie zu nehmen. Heike Zinram, Wettbewerbsexpertin im Landeswirtschaftsministerium, erläuterte das Vergabeverfahren für Konzessionsverträge.
Die Kommunen sollten insbesondere ihr Engagement für erneuerbare Energien erhöhen. Dazu rief Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE), auf. Als Beispiele nannte er Gebäudesanierung, Passivhausgebiete, die Raumplanung/Flächenvorhaltung, Nahwärme-Ausbau, Energiegenossenschaften, Engagement für bessere Rahmenbedingungen auf höherer Ebene. Erneuerbare Energien böten oft große lokale Wertschöpfung, wie eine Studie zeige.
Schütz zeigte sich überzeugt, dass die ganze Stromversorgung eines Tages „in dezentralen, regionalen Strukturen zu erreichen“ sei. „Erneuerbare“ würden angesichts ihrer sinkenden Kosten „langfristig unschlagbar sein“. Kurzfristig plädierte Schütz für einen Regelungsanreiz für Biogasanlagen, damit sie bei Schwankungen der Wind- und Solarenergie hoch- bzw. heruntergefahren werden könnten. Lathens Bürgermeister Karl-Heinz Weber zeigte, wie eine dezentrale Versorgung funktionieren kann – am Beispiel der „Energiegenossenschaft Nahwärme“.
Nicht reden konnte beim Genossenschaftstag Ministerpräsident David McAllister: Er steckte auf dem Weg von Hannover lange Zeit im Stau.
