Rastede - Großes Jahr für das Genossenschaftswesen, bundesweit und im Nordwesten: Im Jahr 1818, also vor 200 Jahren, wurde Friedrich Wilhelm Raiffeisen geboren – der maßgebliche Vordenker und Gestalter der Bewegung (neben Hermann Schulze-Delitzsch). Dies nimmt der Genossenschaftsverband Weser-Ems (GVWE/Oldenburg) zum Anlass, auf die Stärken dieser Rechtsform und ihrer Prinzipien aufmerksam zu machen. Diverse Aktionen sind dazu geplant, wie die Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb und Axel Schwengels sowie Abteilungsleiter Harald Lesch am Montag im Akademie-Hotel in Rastede erläuterten.

Auch Niedersachsens Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler (CDU, Berne) als Gast zeigte sich überzeugt von der „Lebendigkeit dieser Idee“. Sie habe nichts an Aktualität eingebüßt. Er selbst sei „bekennender Genosse“, sagt er mit Blick auf 47 Jahre Mitgliedschaft bei der örtlichen Bank. Die Prinzipien aus der Gründerzeit der ersten Genossenschaften Mitte des 19. Jahrhunderts würden auch heute noch gelten – wie der Fördergedanke („Hilfe zur Selbsthilfe“) und das Miteigentum. Thümler warnte die Politik vor „zu viel Regulierung“ des Sektors im gleichen Atemzug mit Großbanken.

Verbandsdirektor Johannes Freundlieb erinnerte daran, worum es dem Sozialreformer Raiffeisen anfangs gegangen sei: etwa um einen Hilfs-Verein vor Ort im Westerwald, in den Bürger ihr Geld einbrachten, um gemeinsam die lokale Versorgung mit Brot zu organisieren. Es folgten bald Organisationen, die man als Vorläufer moderner Genossenschaftsbanken sehen kann – gemeinsam wurde Landwirten und Gewerbetreibenden vieles möglich. Um 1870 entstanden auch in Weser-Ems erste Genossenschaften. 1890 wurde in Oldenburg der (heutige) Genossenschaftsverband Weser-Ems gegründet, der seine Selbstständigkeit erfolgreich mit „Nähe“ behauptet.

Zu ihm gehören gut 300 Genossenschaften aus verschiedensten Bereichen – wie Banken, Landhandel, Energie, Viehverwertung, aber zunehmend weiteren Lebensbereiche wie Wohnen, Nahversorgung oder Kultur. „Konkrete Lösungen für konkrete Pro­bleme“, betonte Freundlieb.

Verbandsdirektor Axel Schwengels verwies auf 22,6 Millionen Genossenschaftsmitglieder (in 8000 Genossenschaften) in Deutschland. Zugleich gehe es um eine „weltweite Erfolgsidee“. Auch in Entwicklungsländern werde Hilfe beim Aufbau entsprechender Strukturen gegeben.


Bundesweit werden Genossenschaften das „Raiffeisen-Jahr 2018“ nutzen, um besondere Ideen umzusetzen, hieß es. Motto dabei: „Mensch. Raiffeisen. Starke Idee!“ Ein zentraler Festakt ist am 11. März in Mainz geplant.

Laut GVWE-Abteilungsleiter Harald Lesch wird es regional u.a. eine Wanderung mit Buchautor Manuel Andrack zu einer Genossenschaft (DMK/Edewecht) geben, oder auch einen Musikgruppen-Wettbewerb („Dein Lied auf Raiffeisen“).

Schirmherr des Raiffeisen-Jahres ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Raiffeisen habe gezeigt, „was das Engagement des Einzelnen und die Solidarität vieler gerade in schwierigen Zeiten bewirken können“, wird der Präsident zitiert.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)