RASTEDE - „Bäume sind auch nur Menschen und werden irgendwann hinfällig“, sagte Forstrat Andreas Mylins am Freitag auf dem Gelände vor den Torhäusern des Rasteder Palais. Mit dem Satz spielte er auf die inzwischen rund 150 Jahre alte Baumgruppe an, die am Vormittag unter seiner Aufsicht gefällt wurde. Drei Eichen, eine Buche und eine Linde – ein typisches Ensemble für den im englischen Stil angelegten Park – fielen in den darauf folgenden zwei Stunden tonnenschwer unter mächtigem Knarzen und Knacken zu Boden.
„Die Fällaktion ist nötig geworden, weil die Bäume zu faulen begannen“, sagte Mylins und veranschaulichte dies am Beispiel einer der gefällten Eichen. Diese sei von innen heraus durch Weißfäule zerfressen worden und wäre wohl in den kommenden Jahren umgestürzt. „Dieser Gefahr wollten wir die Fußgänger nicht aussetzen“, so der Forstrat.
Neben der Sicherheit gibt es einen weiteren Grund für die Maßnahme. „Wir wollten die beiden denkmalgeschützten Torhäuser wieder ins rechte Licht rücken“, sagte der ebenfalls anwesende Baudirektor des Landkreises, Lothar Trinter. Dies gelte im doppelten Sinne. Zum einen werde so verhindert, dass sich weiterer Schimmel an den Gebäuden bilde. Zum anderen werde so die alte Sichtachse wieder hergestellt. „Jahrelang wurde der Bereich vor den Torhäusern nicht gepflegt. Dass wollen wir – auch mit dieser Maßnahme – jetzt nachholen“, so Trinter.
Die fünf Bäume, die am Freitag gefällt wurden, gehörten alle demselben Ensemble an. „Und nicht jeder der Bäume war so krank, dass man ihn unbedingt hätte fällen müssen“, sagt der Baudirektor. So war zum Beispiel die Linde im Gegensatz zu den anderen Bäumen nur von einer kleinen Fäulnisstelle befallen. „Wir haben uns dennoch entschieden, die gesamte Gruppe zu fällen, um an die gleiche Stelle dasselbe Ensemble einheitlich nachzupflanzen.“
„Die Pflanzungen werden wir wohl im Herbst vornehmen“, kündigt Forstrat Mylins an. Rund 20 bis 25 Zentimeter Stammumfang werden die jungen Bäume einen Meter über dem Boden haben. Ihre Höhe wird rund fünf Meter betragen.
Bis die jungen Bäume dann eine ähnliche Größe erreicht haben werden wie ihre Vorgänger, dürften jedoch noch weitere 50 bis 60 Jahre vergehen. „Weitere hundert Jahre später wird dann wohl wieder eine Fällaktion nötig sein“, sagt Baudirektor Trinter.
Was mit den alten Bäumen geschehen wird, ist bereits entschieden. Denn zur Weiterverarbeitung taugt ihr Holz kaum. „Lindenholz, früher als Schnitzholz beliebt, wird heute nicht mehr nachgefragt“, sagt Forstrat Mylins. Und die anderen Bäume enthielten zu viele faule Stellen und zum Teil auch Nägel: „Da kann man nur noch Brennholz draus machen.“
