RASTEDE/WIEFELSTEDE - Mit 1200 Schafen zu Fuß von Norddeich nach Grethen bei Hodenhagen: Da vertraut Stefan Rose auf seine vier Hunde, wenn es gilt, die Tiere zusammenzuhalten. Der Schafzüchter ist in der Sommersaison Deichschäfer in Norddeich. Nun ist die Saison vorbei – und um Geld für einen Transport per Lkw zu sparen, bringt er gemeinsam mit Thilo Fleischer seine Tiere eben zu Fuß nach Hause – nach Grethen. Am Mittwochabend machten die Schäfer für die Nacht Station in Wiefelstede – gegenüber dem Schützenplatz an der Gristeder Straße. An diesem Donnerstag macht sich der große Tross über Südende auf ins Ipwegermoor Richtung Huntebrück.

In Wiefelstede lockte die Menagerie viele Schaulustige an: Autos hielten an der Gristeder Straße, Fußgänger, Radfahrer und Presseleute schauten vorbei. Stefan Rose ist darüber nicht unglücklich, kann er doch dabei auch auf die Probleme seiner Zunft aufmerksam machen. „Wolle und Fell des Schafs sind wertvoll, wir kriegen aber nichts mehr dafür“, macht Rose einen dramatischen Preisverfall aus. Zudem nervt ihn die EU, die ab 1. Januar 2010 die elektronische Tierkennzeichnung auch für Schafe zur Pflicht erhoben hat. Zwar zahle die Tierseuchenkasse die Kennzeichnung der Tiere, „für die Kasse aber zahlen wir ja auch wieder“, sieht Rose Mehrkosten auf sich zukommen.

Wie verpflegt man unterwegs 1200 Schafe und versorgt sie bei der gut dreiwöchigen Wanderung mit Wasser? „Die Schafe grasen einfach, das reicht unterwegs“, weiß Rose. Und solange das Gras morgens feucht ist, kommen die Tiere gut über die Runden, was den Flüssigkeitshaushalt angeht. Die Schäfer schlafen nachts im Zelt, auch ein VW-Bully mit Anhänger für die Hunde wird mitgeführt. Und die verstehen ihr Geschäft, halten die Schafe gekonnt zusammen. Bereits zum dritten Mal bringt Rose seine Tiere zum Saisonende auf diese Weise nach Hause. Wenn im April 2010 die Saison in Norddeich wieder beginnt, dann allerdings transportiert er die Herde per Lkw nach Ostfriesland – schon wegen der inzwischen geborenen Lämmer, die eine Wanderung nicht durchhalten würden.