Hude - Oft sind es zuerst kleine Dinge, die Probleme in der Familie bereiten. Schnell kann daraus auch ein viel größeres, schwerwiegendes Problem werden, wenn die Kraft nicht mehr reicht, es allein zu regeln. Deshalb ist es gut, wenn es jemanden gibt, den man um Rat fragen kann, der zuhört und weiterhilft, bevor es vielleicht zu spät ist.
Zeit und ein offenes Ohr für alle Fragen haben in der Gemeinde Hude drei Beratungserzieherinnen: Carola Lippstreuer, Andrea Wesemann und Petra Ahrens, Erzieherinnen in örtlichen Kindergärten, haben diese Aufgabe übernommen.
Es geht nicht nur um pädagogische Alltagsfragen, sondern um alle Dinge, die das familiäre Leben aus dem Gleichgewicht bringen können. Oft sind es wirtschaftliche Probleme, und Betroffene wissen nicht, an wen sie sich wenden müssen. Oder Suchtprobleme in der Familie. Fragen zu häuslicher Gewalt und Sexualität.
„Je früher man Kontakt zu mir sucht, desto optimaler kann ich helfen“, sagt Beratungserzieherin Carola Lippstreuer. Wie auch ihre beiden Kolleginnen legt sie besonderen Wert auf Vertrauen und Anonymität.
Die Beratung ist nicht nur vertraulich, sondern auch kostenlos für alle Eltern. Sie wird auch nicht aus dem Kindergartenetat finanziert, sondern über Zuschüsse Dritter.
Das Projekt „Beratungserzieherinnen“ läuft seit 2011 in der Gemeinde Hude in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und unterstützt vom Landesprogramm Familienförderung. Die Beraterinnen haben dafür jeweils Wochenstunden zur Verfügung. Fachbereichsleiter Uwe Schubert hatte es seinerzeit angeregt.
Die Beraterinnen helfen bei Behördengängen. Sie unterstützen Familien mit Migrationshintergrund. Vor allen Dingen aber sind sie fast jeden Tag im Kindergarten anzutreffen, um auch mal schnell einen Termin zu vereinbaren, wenn etwas auf den Nägeln brennt.
Das ist ganz wichtig, so die Erfahrungen. Denn die Hemmschwelle ist groß. Oft trauen sich Betroffene nicht, eine Beratungsstelle aufzusuchen. „Wir sind vor Ort, da wo die Eltern auch sind“, stellt Petra Ahrens fest. Und sie hören nicht nur zu, sondern nehmen diejenigen auch schon mal an die Hand, um gemeinsam eine Behörde aufzusuchen, Beratungsstellen oder auch Fachärzte und Selbsthilfegruppen.
„Der Bedarf ist da“, wissen die Huder Beratungserzieherinnen aus der täglichen Praxis. Viele Eltern wissen, dass sie sich vertrauensvoll an sie wenden können. Es ist gelungen, Vertrauen aufzubauen.
„Gut, dass wir darüber geredet haben“, beschreiben die Beraterinnen die Reaktionen, wenn sie weiterhelfen konnten. „Viele Dinge brauchen Mut, um sie anzusprechen“, wissen sie. Und: Viele Probleme lassen sich im Vorfeld lösen, so dass sie klein bleiben.
Die Beratungserzieherinnen können oft schon mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung weiterhelfen. Sie haben mittlerweile ein großes Netzwerk aufgebaut und wissen, an wen man sich bei speziellen Fragen wenden kann.
