Friesland - Heiner Janßen mag seine Arbeit im Hotel „Dorf Wangerland“ in Hohenkirchen: Von Frühjahr bis Herbst ist er dort beschäftigt, hilft bei der Pflege der Außenanlagen vom Rasenmähen bis zum Unkraut jäten. Im Winter arbeitet Janßen in der Werkstatt für behinderte Menschen in Jever.
So wie Heiner Janßen würden gerne viele der 1300 Menschen mit Behinderungen, die in den Werkstätten der Gesellschaft für paritätische Sozialarbeit (GPS) in Friesland, Wilhelmshaven und dem Ammerland arbeiten, lieber außerhalb der Werkstatt beschäftigt sein. Um das zu ermöglichen, hat die GPS im Herbst 2013 das Projekt „Vielfalt leben“ gestartet. Am Donnerstagabend stellten GPS-Geschäftsführer Jürgen Hoffmann und seine Stellvertreterin Petra Mingo im Lokschuppen das bisher Erreichte vor rund 120 Gästen aus Wirtschaft und Verwaltungen vor.
„Inklusion ist mehr als der gemeinsame Unterricht in den Schulen“, betonte Hoffmann in seiner Einleitung: Er übersetzt den Begriff Inklusion frei mit „mittenmang“. Die Initiative der GPS versuche, Menschen mit Behinderung Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt zu verschaffen.
Gesucht werden Beschäftigungsmöglichkeiten in Betrieben – und dass schon einige gefunden wurde, zeigte sich an dem Abend: In Landwirtschaft und auf dem Reiterhof, in der Bäckerei, in Industriebetrieben, im Pflegeheim und Kindergarten, in Autowerkstatt, in Handel und Supermarkt sind GPS-Beschäftigte untergekommen.
Und die Arbeit macht ihnen Freude, berichteten neben Heiner Janßen auch Sylvia Backhus, die bei der Academy of Dance Jever arbeitet, und Marco Scharnweber (Edeka Driebolt, Varel). Auch ihre Arbeitgeber sind sehr zufrieden: „Marco ist meine dritte und vierte Hand“, sagt etwa Florian Driebolt.
Er schätzt seinen Mitarbeiter so sehr, dass er darüber nachdenkt, ihn als echten Mitarbeiter im Supermarkt zu übernehmen. Denn die Beschäftigten bleiben auch bei der Arbeit außerhalb der Werkstätten grundsätzlich bei der GPS beschäftigt.
Betreut werden sie an ihren Arbeitsstellen von Arbeitsbegleitern der GPS. Sie helfen bei der Eingewöhnung, aber auch dann, wenn es Probleme gibt. Denn die Zusammenarbeit von nicht-behinderten und behinderten Mitarbeitern ist nicht selbstverständlich – obwohl sie, wie sich bei der Vorstellung von Arbeitgebern und ihren Beschäftigten zeigte, viel reibungsloser klappt, als mancher erwarten mag.
„Man kann Inklusion nicht an einem Tag erreichen. Man kann nur sagen, mutig voran“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer, die lange Jahre Bundes-Beauftragte für die Belange behinderter Menschen war, zu Beginn des Abends in einer Diskussionsrunde.
Frieslands Erste Kreisrätin Silke Vogelbusch dagegen zeigte sich überrascht, „wie viel wir schon machen“: Der Landkreis ist Modellkommune für Inklusion, 130 000 Euro stehen zur Förderung neuer Projekte bereit. Auch der Landkreis selbst ist bereits inklusiv: Im Dienstleistungszentrum Varel betreibt die GPS das Café „Gut drauf“ – dort arbeiten Menschen mit Behinderungen.
