„Eisenstadt kennt fast jeder“ (NWZ vom 17. Mai)

Friesoythe, in früherer Zeit angesehene, im Umland geachtete, stolze Hansestadt mit eigenem Rathaus, Stadttor, Krankenhaus, Mittelschule, Hansaplatz und natürlich „Hansa Friesoythe“.

Vom Krieg geschunden, stand 1945 deine Kirche wie ein Fels in der Brandung, rundum nur zerschossene und zerbombte Häuser. Krankenhaus und das Wahrzeichen „Stadttor“ zerstört.

Die vom Krieg geschlagenen Wunden hast du fast alle überwunden. Die umliegenden Gemeinden wurden dir ins viel zu kleine Nest gelegt. Deine Fittiche reichten nicht. Sie wurden eingemeindet, doch du hast sie nicht integriert. Viele Bürger fühlen sich nicht mitgenommen. Du hast politisch gelitten, bist vom Weg abgekommen. Dein Stolz und deine Identität gingen verloren, wurden dem Zeitgeist geopfert. Im Rathaus saß wohl eine Partei der „Ratlosen“ mit am Tisch. Die Zeichen der Zeit wurden nicht erkannt. Spitze bist du nur noch bei der verfehlten Finanzpolitik. Warst nicht in der Lage, dein Image aus- und das für die Zukunft so wichtige Wahrzeichen „Stadttor“ wieder aufzubauen. Wenn ich richtig informiert bin, dann bist du aus dem stolzen, an der Soeste gelegenen eigenem Rathaus in ein Mietshaus umgezogen, das einigen Bürgern keine Nachteile bringt.

Nun ist dein guter Name „Hansestadt“ verloren gegangen, endgültig zerstört. Dein neues Profil hat Patina angesetzt und rostet vor sich hin, bevor es zur Geltung kam. Eisenstadt, welch ein Jammer!

Doch tröste dich, früher war es noch schlechter. Da gab es nur die einzügige in einer nicht in allen Räumen wasserdichten Baracke untergebrachte Mittelschule. Die Räume waren mit Kanonenofen ausgerüstet. Wenn Heizmaterial knapp war, brachten die Schüler, von Neumarkhausen bis Gehlenberg, vom Saterland bis Bösel, auf dem Rad Torf mit. Es soll auch ein Fahrradausflug ins Sedelsberger Moor gegeben haben, von dem die Schüler mit „Gefringstem“ Torf auf den Gepäckträgern zurückkehrten. Der Organisator J. V. ist vielen Friesoythern noch in guter Erinnerung. Doch wartet ab, die „Goldene Zeit“ kommt noch.


Hermann Bischof Bramsche

Als wenn es im Mittelzentrum nichts Wichtigeres zu tun gibt, als nach der Bürgermeisterwahl 2014 sich fast fünf Jahre (!) mit dem Thema „Eisenstadt“ zu beschäftigen. Es ist allgemein bekannt, dass die SPD mit dem Bürgermeister an der Verwaltungsspitze sich schwer damit tut, sich „zu verbiegen“ wenn es um die Eisenstadt Friesoythe geht. Eine Stadt, die mit ca. 247 Quadratkilometern (!) zu den flächengrößten Kommunen Deutschlands gehört, hat weitaus wichtigere „Baustellen“, als sich mit Eisen, Slogan oder Leitbildern zu beschäftigen.

Alleine Steuergelder für Stadtmarketing auszugeben, wird nie zu einem positivem Echo in Friesoythe führen, weil in vielen Köpfen „Stadtmarketing“ irgendwie nicht zu einer „Behörde“ Stadt Friesoythe passt. Wer in diesem Zusammenhang auch noch nach Marketing-Experten ruft, sollte wissen, das „Duschen ohne nass zu werden“ nicht geht.

Vielleicht eher einmal das Entlastungsstraßennetz zügig zu Ende führen bevor es für Bezuschussungen zu spät ist. Hunderttausende für die Sanierung einer Burgwiese ausgeben, weil es keine andere Fläche für einen Kindergarten gibt? Macht unsere Stadt für 2030 zukunftsfähig!

Die Macher des St. Marien-Hospitals haben sichtbare „Rezepte“ für eine Stadt in der Boomregion des Oldenburger Münsterlandes. Seit Jahren wird hier etwas getan für die Gesundheit der Menschen in und um Friesoythe. Respekt! Übrigens: Hier steht auch das Eisen-Projekt „Begegnung“ als Zeichen der Verbundenheit zum Handwerk.

Schafft zum Beispiel eine Plattform wie eine „Stadtmarketing GmbH“, wo Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Bürger sich begegnen, um zu gleichen Teilen Geld in einen Topf zu geben, um gemeinsam „Eisenstadt mit Herz“ zu zeigen. So verlieren heute und in Zukunft weder Bürgermeister noch HGV-Vorstände ihr Gesicht. Im Gegenteil, der „Funke könnte überspringen“ auf alle.

Ludger Bickschlag Friesoythe