Oldenburg - Seit sieben Jahren befindet sich die Schifffahrtsbranche in schwerer See. Die Fracht- und Charterraten sind vielfach nicht auskömmlich, der Kostendruck immens, und die deutsche Handelsflotte ist 2015 weiter geschrumpft.
Doch trotz der weiterhin angespannten Lage gab sich Alfred Hartmann, Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR), am Mittwoch vorsichtig optimistisch. „Ich bin zuversichtlich, dass es wieder aufwärts geht“, sagte der Leeraner vor 120 Branchenvertretern beim 9. Schifffahrtsforum der Unternehmensberatungsgesellschaft BDO Arbicon in Oldenburg. „Wir sind am Ende der Rezession.“
Positiv bewertete er, dass der Bund den EU-Förderrahmen für die Seeschifffahrt nun auch so ausschöpfen will, wie es in anderen europäischen Ländern üblich ist. So begrüßte er, dass der Lohnsteuereinbehalt für Seeleute auf Schiffen unter deutscher Flagge nun auf 100 Prozent angehoben wird und dass die starren Regeln für die Besetzung von Schiffen angepasst werden.
Auch Innovationen und ein anwachsender Welthandel würden der Schifffahrt Perspektiven eröffnen. „Wir haben nicht zu wenig Ladung, wir haben zu viele Schiffe“, sagte er und zeigte das vielleicht größte Dilemma der Branche auf. Zugleich wünschte sich Hartmann, dass die Politik innovative Ansätze, wie den Einsatz von Flüssiggas (LNG), stärker unterstützen würde. „Es steckt noch viel Potenzial im maritimen Standort Deutschland“, meinte er.
„Die Rahmenbedingungen für die Schifffahrt müssen unbedingt verbessert werden“, mahnte auch Hermann Schepers, Geschäftsführer der Reederei Unitas aus Haren an. Der emsländische Reeder sprach sich u.a. dafür aus, die Sanktionen gegen Russland zu beenden und – um den Wettbewerbsdruck nicht noch weiter zu erhöhen – den Verkauf von Schiffen aus der deutschen Handelsflotte ins Ausland über einen Zeitraum von zwei Jahren auszusetzen. „Deutschland verliert mit jedem verkauften Schiff Know-how“, sagte Schepers.
Mit einem ganz anderen Thema befasste sich Robert Kümmerlen von der Deutschen Verkehrs-Zeitung. Er zeigte auf, wie sehr additive Fertigung, also 3D-Druck, Produktion und Logistik jetzt schon verändert und künftig weiter verändern wird. „Von einer Nischentechnologie hat sich 3D-Druck hin zu einer echten Alternative zu traditionellen Herstellungstechniken entwickelt“, sagte er.
