REEKENFELD - Der Familienbetrieb Jachtservice Siemer am Elisabethfehnkanal wächst und wächst. Von dem Tempo ist selbst der Firmengründer überrascht worden.
Von Michael Keim
REEKENFELD - In knalligem Orange präsentiert sich die Firma Siemer Jachtservice Hunte-Ems GmbH am Elisabethfehnkanal. „Die auffälligen Hallen sind nicht zu übersehen“, freut sich Juniorchef Alexander Siemer. Der Familienbetrieb, der erst 2001 am Elisabethfehnkanal gegründet wurde, hat sich seither rasant entwickelt.Von der Leistungsfähigkeit des Unternehmens mit seinen derzeit acht Mitarbeitern, die Familie mit eingeschlossen, überzeugten sich am Donnerstag Vertreter des Verbundes Oldenburger Münsterland bei einer Journalistenreise. Landrat Hans Eveslage, Geschäftsführer Stefan Ortmann und Katharina Deeben, Stabsstellenleiterin der Wirtschaftförderung beim Landkreis Cloppenburg, ließen sich durch den Betrieb führen und staunten nicht schlecht über die Größe des noch jungen Unternehmens.
Das eigentliche Kerngeschäft ist der Neubau von Schiffen. Dabei setzt die Werft auf Rümpfe in Stahlbaukonstruktion. Bis zum vergangenen Jahr war Siemer die einzige Werft in Deutschland, die Verdränger in Stahlkonstruktion baute.
Ein zweites Standbein ist der Bereich Um- und Ausbau, Wartung und Reparatur. Und der dritte Komplex ist die Winterlagerung von Jachten. Derzeit stehen 125 Luxusschiffe in den Hallen der Werft. Sie alle kommen über den Wasserweg nach Elisabethfehn. Der Werft eigene Kran hievt sie dann an Land.
Neuerdings arbeitet Siemer auch mit einer Werft aus Emden zusammen. Die Emder Schiffbauer liefern Rümpfe in Alu-Bauweise. Der komplette Ausbau erfolgt dann am Elisabethfehnkanal. „Wir sind froh über diese Kooperation, das ist für uns ein neues Standbein und eröffnet uns eine neue hochwertige Produktpalette.“
Die Auftragsbücher des Unternehmens in Reekenfeld sind rappelvoll. Vier nagelneue Jachten verlassen die Werft pro Jahr. Dabei werden alle individuellen Wünsche der privaten Eigner erfüllt. Und da kann ein Schiff auch schon mal die 350 000-Euro-Marke knacken.
Mittlerweile beschäftigt die Firma auch zwei Auszubildende. Einer lernt den Beruf des Schlossers, einer wird zum Tischler ausgebildet.
Vor allem eines ist beim heutigen Neubau von Schiffen nicht zu übersehen. Die Technik hat Einzug gehalten. „Ohne Elektronik läuft gar nichts mehr“, bestätigt Seniorchef Anton Siemer. So rüstet die Werft derzeit einen Neubau mit einem integrierten Navigationssystem aus, dass ähnlich wie ein Autopilot bei Flugzeugen das Schiff theoretisch vollständig alleine steuern könnte. Hinzu kommt eine Kollisionswarnfunktion. Beim heutigen engen Schiffsverkehr beispielsweise auf dem Rhein oder dichtem Nebel eine tolle Einrichtung. Mit diesem System rüstet die Werft ein Boot aus, dass für die Polizei eingesetzt wird.
Ursprünglich wollte Anton Siemer seine Werft in Barßel ansiedeln. Grundvoraussetzung war der Zugang zum Wasser. „Ich bin heilfroh, dass das mit dem Grundstück direkt in Barßel nicht geklappt hat“, so Siemer senior. Die Ansiedlung am Elisabethfehnkanal, dem einzigen noch voll schiffbaren Fehnkanal Deutschlands, hat er nie bereut. „Die Werft ist schnell gewachsen. Mit dieser Entwicklung konnten wir selbst nicht rechnen“, ist Anton Siemer stolz über seinen damaligen Schritt in die Selbstständigkeit. „Und jetzt steht uns noch ein großer Auftrag bevor“, kündigt der Maschinenbauer an. Näheres wollte er aber noch nicht verraten.
