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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Oldenburger Anwalt Im Interview: „Regeln scheinen nicht gegriffen zu haben“

31.10.2015

Frage: Bei Volkswagen hat man sich über Jahre hinweg über Rechtsvorschriften hinweggesetzt. Kann Compliance, die Einhaltung von Regeln und freiwillige Selbstverpflichtungen das verhindern?

Landowski: Ziel des Compliance ist die Einhaltung des Rechts. Das hört sich banal an, ist in der Umsetzung allerdings komplexer, als es zunächst scheint. Compliance soll durch frühzeitige Aufdeckung von Rechtsverletzungen Schadensfälle verhindern. Solche Schadensfälle können nicht nur im strafrechtlichen Bereich liegen, sondern liegen viel häufiger in der Verhinderung einer zivilrechtlichen Haftung. Wenn es trotz gelebter Compliance zu Übertretungen kommt, bestehen im Unternehmen in der Regel Kommunikationsmängel.

Fachanwalt

Christian Landowski (66) ist Rechtsanwalt in Oldenburg. Er berät Firmen in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit und Compliance.

Unter Compliance versteht man Regeltreue oder Einhaltung von Vorschriften und freiwilligen Kodices.

Frage: Wie geht ein Unternehmen vor, das sich zur Einhaltung von Regeln verpflichtet?

Landowski: Compliance muss im Prinzip drei Grundsätze umfassen. Zunächst sind die Risiken eines Unternehmens zu analysieren. Die Risiken sind bei einem inhabergeführten Unternehmen, das allein auf dem deutschen Markt oder vielleicht sogar nur regional tätig ist, deutlich geringer als bei einem Unternehmen, das international tätig ist und möglicherweise noch mit einer breiten Produktpalette am Markt agiert. Es ist ein Unterschied, ob – auch international – ein öffentlicher Auftrag im Raum steht oder mit einem privaten Kunden zu verhandeln ist.

Nach der erfolgten Risikoanalyse ist ein entsprechendes Compliance-Programm zu entwerfen. Ein solches Programm darf gegenüber dem Mitarbeiter nicht das Gefühl des Misstrauens und der gegenseitigen Kontrolle verinnerlichen, sondern es soll auch zu seiner eigenen Sicherheit das Gefühl vermitteln, gemeinsam mit seinen Kollegen und der Unternehmensleitung für eine gute Sache zu arbeiten. Compliance muss im täglichen Arbeitsablauf des Unternehmens zur Selbstverständlichkeit werden und kann dann einen wesentlichen Beitrag zum nachhaltigen Unternehmenserfolg leisten.

Frage: Hat die Einhaltung von Gesetzen und moralischen Grundsätzen oder ihre Übertretung mit der Größe des Unternehmens zu tun?

Landowski: Da haben Sie vollkommen Recht. Je größer ein Unternehmen ist, desto komplexer wird eine solche Organisation, weil von den verantwortlichen Geschäftsführern auf nachgeordnete Leitungsebenen delegiert werden muss. Es besteht zwar der Grundsatz, dass die Aufgaben, nicht jedoch die Verantwortung delegiert werden kann. Ich glaube allerdings nicht, dass damit eine bewusst niedrigere Moralschwelle in großen Unternehmen verbunden ist. Weder bei den Verantwortlichen, noch bei den Mitarbeitern. Aus meiner Sicht ist dies die Folge einer größeren Anonymität in einem Großunternehmen. Familiengeführte mittelständische Unternehmen haben häufig eine deutlich größere Durchlässigkeit von Informationen zwischen den Führungsebenen und auch zu den Beschäftigten.

Frage: Welche Kontrollmechanismen haben bei VW versagt?

Landowski: Bei VW ist mit Sicherheit Vorsorge getroffen worden. Sie scheint jedoch nicht gegriffen zu haben. Wenn Compliance bei den Mitarbeitern nur als lästige Bürokratie empfunden wird und nicht aus Überzeugung einer guten Unternehmensführung gelebt wird, wenn es also an einem „Wir-Gefühl“ im Unternehmen mangelt, dann wird Compliance versagen.

Frage: Hätte man vorsorgen können?

Landowski: Ich bin überzeugt, dass Volkswagen eine kompetente und umfangreiche Compliance-Organisation eingerichtet hat. Allerdings stellt sich für einen Außenstehenden die Frage, ob sich die konkrete Ausgestaltung an den tatsächlichen Bedürfnissen des Unternehmens orientiert hat.

Frage: Im VW-Konzern sollen mindestens seit einem Jahr zahlreiche Mitarbeiter von dem Problem um die fingierte Abgassoftware gewusst haben. Was sagt das über die Unternehmenskultur?

Landowski: Es ist immer schwierig, als Außenstehender betriebsinterne Vorgänge zu beurteilen. Vielleicht war der Erfolgsdruck in einzelnen Abteilungen so groß, dass man glaubte, der Erfolg heilige die Mittel. Vielleicht sollte bei Vorgesetzten auch nur vorübergehend ein Erfolg präsentiert werden, und es bestand die erneute Absicht, weiter an der Problemlösung zu arbeiten. So etwas kann zu einem Selbstläufer werden und ist dann wie eine Lawine nicht mehr zu beherrschen. Nach den mir bekannten Veröffentlichungen könnte ich mir eher vorstellen, dass in einem überschaubaren Kreis von Mitarbeitern die behaupteten Manipulationen vorgenommen wurden. Wer von den Vorgesetzten kann schon das Ergebnis einer Software prüfen?

Frage: Gibt es eine Lehre aus der VW-Abgas-Affäre für andere Unternehmen und auch kleinere Betriebe?

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Landowski: Jedes Unternehmen, auch kleinere Betriebe, sollten sich überlegen, welche Risiken ihr Betriebsablauf beinhaltet. Gerade in inhabergeführten Unternehmen glaubt der geschäftsführende Inhaber seinen Betrieb zu kennen. Die Grundsätze der Compliance dürfen aber nicht dazu führen, dass ein Beschäftigter dem anderen misstraut. Es geht nicht um Anschwärzen, sondern um die Offenlegung eines Mangels, wenn erkannt wird, dass ein Geschäftsprozess nicht richtig läuft.

Compliance wird also nur dann erfolgreich sein, wenn die Unternehmensleitung Compliance als eigene Aufgabe sieht. Das wichtigste ist, zu bedenken, dass die Mitarbeiter im Unternehmen wissen, dass ihnen nicht Misstrauen entgegengebracht wird, sondern dass sie sich an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz ernstgenommen fühlen und vermittelt bekommen, dass es gerade auf ihre tägliche gute Arbeit ankommt.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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