Oldenburg - Die Wirtschaft des Oldenburger Landes ist trotz der Konjunkturdelle zum Jahreswechsel 2013 überwiegend mit Zuversicht gestartet. Die optimistischen Stimmen seien bei der jüngsten Betriebsbefragung weiter in der Überzahl, berichtete der Hauptgeschäftsführer der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Dr. Joachim Peters, bei der Vorlage des Jahresberichtes mit Kammerpräsident Gert Stuke.
Die Unternehmen im IHK-Bezirk (Oldenburger Land) erwarten demnach wieder mehr Impulse vom Export, und auch in der Binnenwirtschaft sei eine Stärkung möglich.
Ein gutes Zeichen für 2013 setzt der starke Anstieg der Industrieproduktion im Januar: plus 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies dürfe aber nicht einfach hochgerechnet werden, betonte Peters.
Starke Industrie
Bereits 2012 war die Industrie ein starker Motor. Die Umsätze der Industrieunternehmen im Oldenburger Land wuchsen um drei Prozent und ermöglichten 1800 zusätzliche Arbeitsplätze (auf 59 300). Zum Vergleich: In Niedersachsen legte die Industrie nur zwei Prozent zu.
Das stärkste Industriewachstum unter den Kreisen und kreisfreien Städten des IHK-Bezirks legte die Stadt Oldenburg vor, mit 8,5 Prozent vor dem Ammerland (7,5), Cloppenburg (7,1), Friesland (6,1), Vechta (2,5), Landkreis Oldenburg (1,9) und Delmenhorst (0,1). Schrumpfende Industrieumsätze wurden für Wilhelmshaven (minus 8 Prozent) und die Wesermarsch (minus 5,4 Prozent) gemeldet. In Wilhelmshaven spiele unter anderem der hohe „Basiswert“ aus 2011 eine Rolle – die später stillgelegte Raffinerie produzierte noch bis in das Frühjahr hinein. Auch die Chemie habe zum Minus beigetragen. In der Wesermarsch könnten Sonderfaktoren in der Abrechnung eine Rolle gespielt haben.
Insgesamt habe sich die regionale Wirtschaft 2013 „in einem schwierigen Umfeld gut behauptet“, sagte IHK-Präsident Stuke. Die Dynamik habe unter dem Einfluss der Schwäche einiger europäischer Märkte nachgelassen, es sei auch weniger investiert worden, erläuterte Peters. Der Hauptgeschäftsführer lobte die Konsumenten: Sie hätten sich nicht verunsichern lassen und seien zur Stütze des Wachstums geworden. Ein starker Impulsgeber sei auch der Eigenheimbau in der Region gewesen.
Die Kammerführung wies darauf hin, dass die regionalen Unternehmen als größtes Risiko weiterhin hohe Energie- und Rohstoffpreise nennen. Auf Platz zwei sei aber – an Stelle der Schuldenkrise in Europa – das Thema Arbeitskosten vorgerückt. Hier wirkten sich offenbar die jüngsten Tarifabschlüsse beziehungsweise -forderungen aus.
Infrastruktur ausbauen
Geschäftsführer Felix Jahn rief Bund und Land dazu auf, „einige Hausaufgaben“ in der Verkehrsinfrastruktur zu erledigen. Dazu zähle die Elektrifizierung der gesamten Bahnstrecke Oldenburg-Wilhelmshaven und der Ausbau des Küstenkanals – aktuell vordringlich zwischen Hundsmühlen und Kampe. Dass man den Kanal aus dem Kern der transeuropäischen Netze herausnehmen wolle, sei ein „falsches Signal“. Der Zugriff auf EU-Töpfe zum Ausbau werden damit vertan. „Unverzichtbar“ sei die Vertiefung der Weser. Als weitere wichtige Projekte nannte Jahn unter anderen die Küstenautobahn, die Bundesstraße 233 (Meppen-Cloppenburg) und die Vollendung der A 1.
Geschäftsführer Björn Schaeper mahnte ein Konzept an, „wie die Energiewende weiter umgesetzt werden soll“. Mit den Kosten dürfe nicht die Region allein belastet werden. Um zum Wachstumsmotor zu werden, müssten bei der Energiewende die Kosten im Rahmen und die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben.
