Ladbergen/Garrel/Bösel - Bei der Produktion von Kunststoffen ist Mineralöl bisher der wichtigste Rohstoff. Unternehmer aus dem Oldenburger Land setzen auf eine umweltfreundliche Alternative: Ulrich Wendeln aus Garrel, Inhaber der „Goldenen Mühle“ in Ladbergen (Kreis Steinfurt), und Ulrich Meyer von fm Büromöbel in Bösel (Kreis Cloppenburg) erregen mit Partnern Aufsehen bei ihrem Ansatz, mit der Firma „Golden Compound“ in Ladbergen aus Schalen von Sonnenblumenkernen Füll- und Verstärkungsstoffe für Kunststoffe zu produzieren.

Über die Pilotanlage berichteten jetzt die „Westfälischen Nachrichten“ (WN), die auch in Ladbergen (zwischen Münster und Osnabrück) erscheinen.

Demnach verschaffte sich jetzt eine ranghohe Delegation vor Ort einen Eindruck von dem innovativen Projekt. Mit dabei: Oldenburgs IHK-Präsident Gert Stuke, der Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Holzenkamp (CDU/Emstek), der Landrat des Kreises Cloppenburg, Johann Wimberg, der stellvertretende Landrat des Kreises Steinfurt, Bernd Hembrock, sowie Ladbergens Bürgermeister Udo Decker-König.

Deutlich wurde das Ziel, die Abhängigkeit der Kunststoffherstellung vom Rohöl um 30 bis 70 Prozent zu reduzieren. „Aus ersten Plänen der Unternehmer wurde eine handfeste Geschäftsidee“, berichteten die „WN“.

Mit im Boot ist bei der Projektvermarktung bei „Golden Compound“, auch über ein Joint-Venture, der Agrarriese Cargill, ein großer Verarbeiter von Sonnenblumenkernen. Man ist fast weltweit vertreten und gilt als „starker Partner“.


Peter Wendeln (Garrel) ist als weiterer Gesellschafter bei „Golden Compound“ dabei.

Seit Ende 2014 wird in einem neuen Werk für Kunden aus den Bereichen Logistik, Bau, Consumer Goods, Garten und Möbel das Kunststoffgranulat S²PC (Sustainable Sunflower Plastic Compound) produziert, berichtete Geschäftsführer Stephan Albers. Und schon werde die Expansion geplant. Es geht um weitere „Compoundieranlagen“ für den patentierten, neuen „Bio-Kunststoff“. Er soll, wie zu hören ist, weltweit vermarktet werden.

Das Kunststoffgranulat S²PC ist ein Naturfaser-verstärkter Kunststoff, der auf den Einsatz von bis zu 70 Prozent Sonnenblumenschalen beruht. Die Sonnenblumenschalen seien ein Nebenprodukt der Sonnenblumenkernschälung, welches bisher überwiegend zur Energieproduktion eingesetzt werde und keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion darstelle.

Bislang wurden bei Biokunststoffen nur nachwachsende Rohstoffe wie Hanf, Jute, Mais oder Holzfasern eingesetzt.