Oldenburg - Die Kernbotschaft laute: Weite Teile der regionalen Wirtschaft seien „ganz gut in das Jahr 2016 gestartet“. Das sagte Jan Müller, Vizepräsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), am Freitag bei der Vorlage des IHK-Jahresberichts in Oldenburg.
Verhaltener seien allerdings die Einschätzungen der Industrieunternehmen. Dazu trügen weltweit wirkende Faktoren bei, sagte Müller, der IHK-Präsident Gert Stuke vertrat. Sorge bereite die geringe Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. Als ein Grund sei zu vermuten, dass sich Betriebe zu sehr mit Regulierungen und Bürokratie belastet fühlten. Müller nannte den Aufwand bei der Umsetzung des Mindestlohnes als Beispiel. Hinzu komme die Sorge um die laufende Diskussion der Erbschaftsteuer. Hier drohe etwa eine deutlich überhöhte Bewertung des Betriebsvermögens.
Müller wies auf eine umfassende Standortbewertung im Oldenburger Land hin, die die Kammer mit fast 1300 Unternehmen erarbeite. Zu den bald vorliegenden Ergebnissen werde man das Gespräch mit Politik und Verwaltung suchen. Tenor ist: Nur 19 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie ihren Standort nicht noch einmal wählen würden. Dabei ist die Spanne in den Landkreisen und kreisfreien Städten aber groß: Von zwölf Prozent bis 40 Prozent. Details zu der Studie will die Kammer bald präsentieren und – wo aus ihrer Sicht nötig – Konsequenzen anmahnen. Die Studie werde eine „gute Diskussionsgrundlage sein“, sagte Müller.
Mit der Konjunktur im Jahr 2015 sei die oldenburgische Wirtschaft „insgesamt zufrieden gewesen“. Diese Bilanz zog IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters. Die Note laute nach schwachem Start und dann besserer Entwicklung „Befriedigend“. Kräftig sei insbesondere die Binnenkonjunktur gewesen, getrieben von höheren Löhnen und mehr Beschäftigung.
Leider sei die Investitionsneigung insgesamt schwach, beklagte auch Peters. Als gutes Zeichen wertete er, dass die Industrie im Januar 2016 auf Wachstumskurs geblieben sei (plus 2,2 Prozent). Der Konsum bleibe Wachstumsmotor; Vor allem Baugewerbe, Einzelhandel und Dienstleister berichteten aktuell von guten Geschäften. Generell gebe es für 2016 „unterschiedliche Signale“, sagte Peters.
2015 hatte die Industrie als Kernbereich der regionalen Wirtschaft um kräftige 3,1 Prozent zugelegt. Die Beschäftigenzahl wuchs um 1,2 Prozent auf rund 62 000.
Die Entwicklung verlief allerdings differenziert. Als Motor gilt die Sparte „Fahrzeugbau“ (mit Flugzeug- und Schiffbau) mit einem Plus von 20 Prozent. Schlusslicht war die Kunststoffindustrie mit minus 7,2 Prozent. Regional legte die Industrie in Friesland (plus 9,7 Prozent) und Wesermarsch (plus 6,9 Prozent) am stärksten zu. Dies wurde mit der starken Rolle von Flugzeug- und Schiffbau erklärt. Ein eher statistischer Effekt (durch die Einbeziehung von Ineos in die Umsätze) wird beim Ausreißer Wilhelmshaven (plus 21,1 Prozent) vermutet. Schlusslicht war das Ammerland (minus 7,2 Prozent). Hier gelten die gedrückten Preise in der Milchverarbeitung (DMK/Molkerei Ammerland) als Hintergrund.
Intensiv fortsetzen will die IHK ihre Veranstaltungsreihe „Wirtschaft konkret“ mit ihrem hohem Nutzwert für die Betriebe, wie Geschäftsführerin Carola Havekost erläuterte. Auch das Thema Flüchtlinge stehe auf dem Plan. Am 20. Juni geht es um Beschäftigung für sie im Gastgewerbe.
