Kassel/Frankfurt - Allgäu-Airport, Flughafen Zweibrücken und jetzt Kassel-Calden: 43 regionale Airports buhlen nach Angaben des Flughafenverbandes ADV in Deutschland um Passagiere und Airlines. Die Aussichten sind alles anders als rosig: Selbst das Drehkreuz Frankfurt stellt sich für 2013 auf stagnierende Passagierzahlen ein. Dem Luftfahrt-Branchenverband IATA zufolge leiden Fluggesellschaften auf Strecken innerhalb Europas unter dem Wirtschaftsabschwung.
„Die deutschen Flughäfen spüren deutlich die Folgen der Eurokrise, die schwierige Marktsituation der Airlines und die nationalen Belastungen durch die Luftverkehrssteuer“, sagt ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel. Beisel hält Regionalflughäfen und kleinere Verkehrsflughäfen dennoch als Zubringer für wichtig.
Eric Heymann, Luftverkehrsexperte bei der Deutschen Bank, hält dagegen: „Wir haben in Deutschland insgesamt ein relativ dichtes Netz an Flughäfen. Darum sind wir skeptisch, ob sich Neu- und Ausbauten für die Eigentümer betriebswirtschaftlich lohnen und verkehrswirtschaftlich notwendig sind.“
Schon jetzt können nach Berechnungen der Bank 95 Prozent der Menschen in Deutschland in maximal eineinhalb Stunden einen Verkehrsflughafen mit internationaler Anbindung erreichen, 64 Prozent sogar in weniger als einer Stunde.
Wie umkämpft der Markt ist, zeigt die Reaktion des Nachbarn Niedersachsen auf das Kasseler Projekt. Der mit Steuergeld subventionierte Flugplatz grabe Flughäfen wie Hannover Passagiere ab, kritisierte ein Sprecher des niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums. Noch deutlicher wird der Sprecher des hannoverschen Airports, Sönke Jacobsen: „Wir bleiben nach wie vor dabei, dieser Flughafen ist überflüssig.“
Für den Chef des Ferienfliegers Condor, Ralf Teckentrup, ist Kassel-Calden „ein Investitionsgrab“. Dagegen sieht Hessens Finanzminister und Flughafen-Aufsichtsratschef Thomas Schäfer (CDU) für den Flughafen gute Chancen, wenn in wenigen Jahren große Konkurrenten an ihre Grenzen stoßen. Die Region Kassel und Nordhessen sei „eine wirtschaftliche Boom-Region“, sagt Schäfer.
Rund 271 Millionen Euro investierten Land und Kommunen, um Kassel-Calden auszubauen und für den Charterflug interessant zu machen. Die Befürworter hoffen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung der Region und zusätzliche Arbeitsplätze. Der Bund der Steuerzahler (BdST) befürchtet dagegen dauerhafte Verluste. „Der Calden-Ausbau ist ein klassisches Beispiel für den fragwürdigen Umgang mit öffentlichen Mitteln“, kritisiert der Vorsitzende des BdST Hessen, Joachim Papendick. Neue Jobs seien oft mit Steuergeldern erkauft.
80 Millionen Euro Finanzhilfe will etwa Rheinland-Pfalz bis 2014 für den Hunsrück-Flughafen Hahn leisten. Die Passagierzahl sank dort 2012 um vier Prozent auf 2,8 Millionen. Das Frachtgeschäft brach um 28 Prozent ein.
Die EU-Kommission wacht streng über staatliche Hilfen. Im Visier der Brüsseler sind bereits Beihilfen für die Flughäfen Lübeck, Hahn, Altenburg-Nobitz, Zweibrücken, Berlin-Schönefeld, Weeze und München.
