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Oldenburger Beschenken Obdachlose Tränen der Rührung über Pullis, Decken und Süßes

Stephan Onnen

Oldenburg - Nelly ist den Tränen nahe, als sie ihr Weihnachtsgeschenk überreicht bekommt. Sandra Schliep nimmt die 37-Jährige in den Arm und drückt sie kräftig. „Frohe Weihnachten!“, wünscht sie Nelly, die sichtlich gerührt ist: „Mir fehlen echt die Worte.“

Nelly ist regelmäßig Gast im Tagesaufenthalt für Wohnungslose an der Ehnernstraße. Sie wird zu den etwa 80 Menschen gehören, die an Heiligabend in der Diakonie-Einrichtung Weihnachten feiern. Für Nelly und viele andere Bedürftige war schon am Sonntag vorzeitige Bescherung: Rund 80 Oldenburger waren einer via Facebook verbreiteten Einladung gefolgt und hatten sich mit bunt verpackten Weihnachtsgeschenken zur Unterkunft an der Ehnernstraße aufgemacht.

„Von der Resonanz bin ich wirklich überwältigt“, staunt Sandra Schliep. Auf einen so großen Zuspruch habe sie nicht zu hoffen gewagt, als ihr am Nikolaustag die Idee gekommen war, Obdachlosen zum Weihnachtsfest eine Freude zu bereiten. In Petra Weigelt-Richers, Michael Reich und Karsten Bach hatten sich sofort drei Mitstreiter gemeldet, die die Aktion unterstützten. „Mittlerweile haben wir 154 Leute in der Aktionsgruppe“, berichtet Petra Weigelt-Richers.

In den Geschenken verpackt waren Pullis, Jacken, Schlafsäcke, Isomatten, Decken sowie Hygieneartikel, Süßigkeiten und Tabak. Alle Päckchen waren mit „M“ (für Mann) oder „F“ (für Frau) gekennzeichnet. „Es geht aber nicht nur um Geschenke, sondern auch darum, den Menschen Anerkennung zu geben. Sich Zeit für sie zu nehmen und mit ihnen zu sprechen, ist viel mehr wert als einen Euro in einen Becher zu werfen“, sagt Petra Weigelt-Richers.

Für alle ein Gewinn

So erfahren die Spender draußen vor der Unterkunft in den Gesprächen einiges über die Schicksale der 100 Menschen, die als Postadresse nur die Tagesunterkunft der Diakonie haben. „Ich bin seit 2007 in Oldenburg und bekomme hier seitdem Unterstützung“, erzählt Heinz (44), der nach einer Alkoholerkrankung versucht, „stabil zu bleiben.“ Die von Sandra Schliep initiierte Aktion findet er „großartig“: „Es ist schön, dass man auch an uns denkt“. So eine große Hilfsbereitschaft habe er noch nicht erlebt. Auch Renate Hagedorn, Leiterin der Tagesunterkunft, freut sich über das freiwillige Engagement der Helfer. „Das ist für beide Seiten ein echter Gewinn“, sagt sie.


Karsten Bach, ein gelernter Koch, hat 30 Liter Käsesuppe zubereitet. Die Zutaten haben ebenfalls die Mitglieder der Facebook-Gruppe „Das Weihnachtsteam“ gespendet.

Auch an Vierbeiner ist gedacht. Für Nellys Mischlingshündin „Sunny“ gibt es eine Decke, Trockenfutter und Leckerlis. „Das ist so viel – da kann ich dem Malte, der heute nicht da ist, für seinen Hund noch etwas abgeben“, denkt Nelly ihrerseits ans Teilen.

Was am Sonntag übrig geblieben ist, bringen die Helfer in die Obdachlosenunterkunft am Sandweg und zur Bahnhofsmission. Weil noch „palettenweise“ Hundefutter vorhanden sei, soll auch das Tierheim bedacht werden, kündigt Petra Weigelt-Richers an.

Im nächsten Jahr soll die Aktion fortgesetzt werden: „Wir machen weiter“, verspricht Sandra Schliep.

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