In der achten Folge schildern wir, wie „Big Boss“ Bruno Krenzin das Ruder übernimmt.

Auch das Gastgewerbe hat der Midgard einiges zu verdanken. Der Hafenbetrieb war Mitbegründer der Friedeburg-Hotel GmbH.

von henning bielefeld

NORDENHAM - 50 Jahre Midgard – dieses Jubiläum feierte das Unternehmen am 10. November 1955 mit einem Fest. Der Umschlag passte zum freudigen Anlass: Er erreichte 1,8 Millionen Tonnen.

Im Jahr darauf wurde – erstmals seit 1936 – beim Umschlag die Zwei-Millionen-Grenze überschritten: mit 2,148 Millionen Tonnen. Und gleich in ihrem ersten Jahr erhielt die neu aufgestellte Bundeswehr 1956 Munition und Ausrüstung über den Nordenhamer Midgard-Hafen.

Mit dem sich verfestigenden Wirtschaftswunder wurde immer deutlicher, dass es in Nordenham an einem Hotel fehlte, in dem die Industrie ihre auswärtigen Geschäftsfreunde angemessen unterbringen und bewirten konnte. Deshalb gründeten Midgard, Norddeutsche Seekabelwerke sowie Felten & Guilleaume ebenfalls 1956 die „Friedeburg“-Hotel GmbH mit einem Stammkapital von 180 000 DM in drei gleichen Teilen. Die Gesellschaft baute das Hotel „Friedeburg“, die Stadt gleich nebenan einen großen Saal. „Diese beiden Bauten zusammen bedeuteten eine wesentliche Bereicherung für das kulturelle Leben in der Stadt“, resümierte der Midgard-Chronist Emil Springer.


14 Jahre später, im Frühjahr 1972, wurde die Hotel GmbH an den Hotelier Johannes Korporal verkauft.

1958 zog die Midgard Konsequenzen aus der wachsenden Motorisierung und gründete in Oldenburg einen eigenen Reifendienst. Ein weiterer Vorteil war der günstigere Direkteinkauf an Reifen für die Lasterflotte der Midgard Oldenburg. Diese Niederlassung bestand von 1919 bis 1972.

1962 wurde er Sitz des Reifendienstes nach Nordenham verlegt, wo es seit 1959 eine Kundendienst-Station gab. Es entstanden weitere Niederlassungen in der Umgebung. 1964 wurde in leer stehenden Gebäuden auf dem ehemaligen Nordsee-Gelände ein Runderneuerungswerk aufgebaut.

Geschäftsführer des Unternehmens war zunächst Erich Eilers, ab 1969 dann Bruno Krenzin und Rudolf Spohr. Anfang der Siebzigerjahre wurde der Reifendienst auf ganz Deutschland ausgedehnt, 1972 wurde sie in die Stinnes-Reifendienst GmbH mit Sitz in Mülheim umgewandelt. Verwaltungssitz für den Norden war Nordenham, für den Süden Kaiserslautern. 1978 war das Unternehmen die zweitgrößte unabhängige Reifenhandelsfirma in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen DM und 500 Beschäftigten. Gut 20 Jahre später gab Stinnes den Reifendienst neben anderen Geschäftsbereichen ab.

Doch zurück ins Jahr 1962. Es ist das Jahr der Sturmflut. Am 16. Februar lief das Hochwasser um 3,50 Meter höher auf als normal, weil ein starker Nordwest-Sturm das Wasser in die Flussmündungen drückte. Das Hafengelände wurde um einen bis anderthalb Meter überflutet, vor dem Deichschaart stand es zwei Meter hoch. Eine Gedenktafel erinnert daran. Auch wenn das Wasser schnell ablief, blieb der Umschlag für mehrere Tage unterbrochen, weil das Gelände mit Schlick verdreckt war und Stromleitungen und Motoren unter Wasser gestanden hatten. Auch der Pier war beschädigt worden.

Doch das alles warf die Midgard nicht um: Der Umschlag stieg im Jahr der Sturmflut auf das Rekordergebnis von 2,15 Millionen Tonnen.

Die Midgard feiert 100-jähriges Bestehen. Die NWZ zeichnet in dieser Serie die Geschichte des Betriebs nach.

Am Deichschaart

steht das Wasser

zwei Meter hoch