Rethorn - „Keiner fühlt sich zuständig. Alle schieben sich die Verantwortung zu“, sagt Markus Haferkorn resigniert. Seit Oktober vergangenen Jahres kämpft der Rethorner gegen die zunehmende Verschmutzung des Teiches hinter seinem Haus am Schwanenweg. Mittlerweile hat sich die Lage zugespitzt: Gemeinsam mit mehreren Nachbarn hat Haferkorn einen Anwalt eingeschaltet, der sich nicht nur um Hilfe der Gemeinde, des Landkreises und des Ochtumverbandes bemüht, sondern im Namen seiner Mandanten auch Strafanzeige wegen Umweltgefährdung gegen Unbekannt gestellt hat. Im April hatte ein Anlieger sogar die Polizei gerufen, als der Teich völlig verschmutzt war.
Das ist das Problem: Immer wieder stinkt der Privatteich, der laut Haferkorn insgesamt zehn Anliegern gehört, nach Fäkalien. Ein Sandfang soll das Wasser aus der Kamerner Bäke eigentlich reinigen, bevor es in den Privatteich und anschließend in den Kamerner See fließt, der sei aber verschmutzt und zu klein, sagt Haferkorn.
Im Oktober vergangenen Jahres schwammen nach einem großen Unwetter dann plötzlich tote Fische auf der Wasseroberfläche. Haferkorn gab ein Gutachten beim Labor für Chemische und Mikrobiologische Analytik (Lafu) in Auftrag. Das Ergebnis: „Der Teich ist durch die Kontamination mit Fäkalkeimen nicht als Badesee zu benutzen.“ Markus Haferkorn vermutet, dass neben Oberflächenwasser in der Nähe liegender Wohnsiedlungen unter anderem auch die Gülle eines landwirtschaftlichen Hofes in die Kamerner Bäke gelangt. Das Gutachten des Lafu erhärtet diesen Verdacht. „Hieraus kann abgeleitet werden, dass Fäkaleinträge/Gülle/Jauche aus dem Bereich des benachbarten Feldes zur Sickergrube und dann in den Sandfang gelangt sind“, heißt es darin. Der Rechtsanwalt hat Kontakt zum benachbarten Bauern aufgenommen, der ist sich keiner Schuld bewusst.
Markus Haferkorn hatte das Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft des Landkreises Oldenburg eingeschaltet. Untersuchungen des Amtes ergaben, dass vom beschuldigten Hof in der Nähe bei hohem Niederschlag unter anderem Siloreste, Jauche und Gülle in die Kamerner Bäke fließen, der Hofbesitzer sei angehalten worden, seinen Hof zu reinigen. „Und wo fließt das dann hin?“, fragt Markus Haferkorn resigniert. Er wolle auch gar keinen Ärger für den Bauern, er hoffe nur, dass gemeinsam mit der Gemeinde eine Lösung gefunden wird.
Der Landkreis hatte zudem private Kleinkläranlagen überprüft, bei einer hatte es Beanstandungen gegeben. Weitere Ursachen seien nicht gefunden worden, teilt Ralf Meints vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft mit. Natürlich fließe Oberflächenwasser aus der Umgebung in die Kamerner Bäke, es gebe aber keine direkte Einleitung. Weil der Teich in Privatbesitz sei, könnten von Gemeinde und Landkreis nur „freiwillige Leistungen“ erwartet werden. Geplant sei laut seiner Kenntnis derzeit nichts. Auch der Ochtumverband und die Gemeinde weisen im Schriftverkehr mit dem Anwalt die Verantwortung von sich.
„In zehn bis 15 Jahren ist unser See dicht und das Fäkalwasser fließt schon jetzt in den großen See“, prognostiziert Haferkorn, der mittlerweile Unterstützung der Grünen und der Linken erhält. Letztere gaben Haferkorn am Montagabend die Möglichkeit, das Problem bei einer Sitzung ihrer Partei vorzustellen. Linken-Mitglied Andreas Kowitz hofft auf ein gemeinsames Gespräch zwischen Landkreis, Gemeinde, Ochtumverband und Anwohnern.
Das Einschalten des Anwalts solle nicht als Kampfansage verstanden werden, betont Haferkorn. Er und die übrigen Anwohner wüssten sich nur nicht anders zu helfen.
