Abbehausen - Kiebitz & Co. kämpfen ums Überleben. Die Wiesenvögel sind im Bestand bedroht, weil es immer weniger Naturräume gibt, in denen sie sich wohl fühlen und ihren Nachwuchs ungestört aufziehen können. Die Europäische Union und das Land Niedersachsen haben den Handlungsbedarf erkannt und ein Rettungsprogramm mit dem Titel LIFE+ aufgelegt. Auch die Stadt Nordenham unterstützt das Projekt. Sie hat sich bereit erklärt, Grünland in einer Größenordnung von 33,7 Hektar für den Wiesenvogelschutz zur Verfügung zu stellen. Genauer gesagt: Die Flächen werden an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) verkauft, der vor Ort für LIFE+ zuständig ist.
Mit dem Vorhaben haben sich die Stadtratsausschüsse für Umwelt und Finanzen befasst. In beiden Gremien herrscht Einigkeit darüber, dass die Stadt Nordenham der Kaufanfrage des NLKWN zustimmen soll. Die jetzt noch fehlende Bestätigung durch den Verwaltungsausschuss gilt als Formsache.
Die Grünflächen befinden sich in der Abbehauser Wisch und gehören zu dem EU-Vogelschutzgebiet „V 65 Butjadingen“. In dem Gebiet benötigt das NLWKN nach Angaben des zuständigen Mitarbeiters Martin Wendeburg dringend Flächen, auf denen die Lebensräume für Wiesenvögel gesichert und verbessert werden ollen. Er verweist auf „dramatische Bestandseinbußen“ bei den betroffenen Arten. Dazu gehören vor allem Kiebitz, Bekassine, Uferschnepfe, Brachvogel, Wachtelkönig und Rotschenkel.
Wie ernst die Lage ist, schildert Martin Wendeburg am Beispiel der Bekassine, deren Bestand seit 1990 um alarmierende 90 Prozent gesunken ist. Bei der Uferschnepfe, die noch mit rund 2000 Brutpaaren in Niedersachsen vertreten ist, beträgt der Rückgang 60 Prozent.
Niedersachsen ist laut Martin Wendeburg ein „wichtiges Wiesenvogelland“, weil hier der Anteil der deutschen Brutbestände besonders hoch ist. Entsprechend habe das Land Niedersachsen eine große Verantwortung beim Schutz dieser Tiere.
Die ausgewählten Flächen in der Abbehauser Wisch gehören zu den Schwerpunktgebieten der Wiesenbrüter und sind daher für das Programm LIFE+ gut geeignet. Die Stadt hat die Ländereien bislang an drei Landwirte verpachtet, die schon an den Agrarumweltmaßnahmen des Landes Niedersachsen teilnehmen und die Flächen extensiv nutzen.
Nach dem Ankauf der Grundstücke will das NLWKN weiterhin eine angepasste landwirtschaftliche Nutzung zulassen und dabei eng mit den Bauern zusammenarbeiten. Parallel dazu sollen die Lebensbedingungen der Wiesenvögel mit verschiedenen Maßnahmen verbessert werden. Dazu gehören zum Beispiel eine Wiedervernässung der Flächen über regulierbare Stauanlagen und eine Reduzierung von Beutegreifern wie Fuchs, Marder und Krähe.
