München - Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, muss nach einem Jahr als Angeklagter vor Gericht weiter auf das Urteil des Landgerichts München warten. Die Hoffnung auf einen Abschluss des Mammutverfahrens am Dienstag erfüllte sich nicht: Der Vorsitzende Richter Peter Noll wollte zunächst eine Entscheidung des Oberlandesgerichts München über eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft abwarten.
Diese werde mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Montag (25. April) erfolgen, sagte eine Gerichtssprecherin. Dann könnte das Urteil in einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse der vergangenen Jahre fast genau ein Jahr nach Prozessbeginn am 28. April 2015 verkündet werden.
Seit einem Jahr sitzen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Banker fast jeden Dienstag auf der Anklagebank in München. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Top-Banker vor fünf Jahren in einem Prozess um Schadenersatzforderungen der Deutschen Bank für die Pleite des Medienkonzerns Kirch falsch ausgesagt haben und forderte zum Teil mehrjährige Haftstrafen.
Spätestens seit der vergangenen Woche ist aber klar, dass die Richter zu einem Freispruch neigen: In ungewohnt scharfer Form hatte der Vorsitzende Richter Noll die Staatsanwaltschaft kritisiert und erklärt, dass sich der Anklagevorwurf aus seiner Sicht nicht bestätigt habe. Einen Antrag auf erneute Durchsuchung der Deutschen Bank wies er ab. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein, über die nun vor dem Urteil entschieden werden muss.
Die Verteidiger der Angeklagten nutzten ihre Plädoyers für harsche Kritik an der Staatsanwaltschaft. Für alle fünf Angeklagten forderten sie Freisprüche. An der Anklage sei nichts dran, sagte Fitschens Anwalt Hanns Feigen „weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte“. Die Vorwürfe gegen Fitschen seien „erbärmlich und unredlich“. „Die Staatsanwaltschaft steht vor dem Scherbenhaufen ihrer Anklage“, sagte er.
