Oldenburg - Überall in Oldenburg wird gehustet, geröchelt und geschnieft. In den Unternehmen flattern den Personalverantwortlichen gelbe Scheine auf den Schreibtisch, und in den Kindergärten und Schulen bleiben Plätze leer.
Im Elisabeth-Kinderkrankenhaus liegen bereits mehrere kleine Patienten, deren Grippe nicht komplikationslos verläuft. Klinikdirektor Prof. Dr. Jürgen Seidenberg rechnet für die nächsten Tage und Wochen mit einem Ansteigen dieser Fälle.
Denn verglichen mit den Notaufnahmen in Süddeutschland, die sich reihenweise wegen Grippepatienten-Überflutung abmelden, geht es in Oldenburg vergleichsweise „normal“ zu: Aus dem Evangelischen Krankenhauses meldet Sprecherin Angela Rieger-Garthoff, man sei vorbereitet. Auch Barbara Delvalle spricht für das Klinikum von einer Notfallaufnahme, in der Grippe derzeit noch keine Oberhand gewonnen habe. In der Inneren etwa habe es noch keinen Fall gegeben. Rund um Osnabrück und Nordrhein-Westfalen haben die Viren Gebiete erobert. Daher haben sich die Notaufnahmen der Oldenburger Kliniken bereits vorbereitet.
Impfung empfohlen
Angehörigen von Risikogruppen etwa empfiehlt Prof. Seidenberg noch eine Impfung (Totimpfstoff), deren Schutz sich in zwei Wochen voll entfaltet, wenn hier der Höhepunkt erwartet wird.
Dr. Jörg Herrmann, Direktor des Oldenburger Instituts für Krankenhaushygiene, weist darauf hin, dass derzeit zwei verschiedene Erkrankungswellen in der Region unterwegs sind. „Es grassiert derzeit eine Erkältung mit heftigem Husten“, sagt er, „mit mindestens sieben bis zehn Tagen Dauer, leichtem Fieber und körperlicher Abgeschlagenheit, die definitiv nicht zur anrollenden Influenzawelle, also der ‚richtigen Grippe‘, gehört.“
Influenza breitet sich aus
Gleichzeitig, so erläutert der Experte für Hygiene und Mikrobiologie, breite sich die Influenza massiv aus, deren akuter Beginn mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl einhergehe. Dr. Herrmann, der ständig mit dem Robert-Koch-Institut und dem Landesgesundheitsamt in Kontakt ist, spricht von 60 Prozent aller untersuchten Proben in Deutschland, in denen derzeit wirklich Influenzaviren nachgewiesen werden. Daher ist das in seinen Augen noch keine besonders schwere Grippewelle.
Auch Herrmann empfiehlt Kindern und Älteren (Generation 60 plus), sich impfen zu lassen. Selbst wenn der Impfstoff die Krankheit bisweilen nicht vollkommen verhindern könne, werde der Verlauf meist positiv beeinflusst.
Fachmediziner Jörg Herrmann verweist auf die Mitteilungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach der Impfstoff in diesem Jahr nicht besonders wirksam sei, da die im Impfstoff enthaltenen Virustypen nicht gut mit den Virustypen überein stimmten, die sich wirklich weltweit ausbreiten. Daher sei der Verlauf derzeit schwer zu prognostizieren.
Kirsten Habbinga, Ärztliche Leiterin des Aufnahmezentrums im Pius-Hospital, hat beobachtet, dass die Grippewelle deutlich stärker ausgeprägt ist als 2014. „Es sind besonders viele ältere Menschen betroffen, hinzu kommen noch die ‚klassischen Wintererkrankungen‘ sowie Magen- und Darminfekte“, erklärt die Ärztin.
Alle Mediziner empfehlen, sich derzeit häufig und gründlich die Hände zu waschen, möglichst Abstand zu halten von Infizierten und sich vitaminreich zu ernähren.
