Elisabethgroden - Wenn Ingo Schild das große Tor zum dunklen Raum öffnet, steigt direkt ein frischer, erdiger Geruch in die Nase. Haben sich die Augen erst einmal an die Dunkelheit gewöhnt, ist er erkennbar: ein Riesen-Berg Kartoffeln, der fast bis unters Dach reicht.

Der Landwirt ist zufrieden. „Obwohl wir einen kalten Sommer hatten, war die Ernte ganz gut“, sagt er. „Sie hat mehr gebracht als erwartet.“ Immerhin 700 Tonnen. „Und auch die Qualität macht einen guten Eindruck.“

Auf 20 Hektar baut Ingo Schild Kartoffeln an, darunter auch Speisekartoffeln der Sorte „Belana“. Die Saatkartoffeln verkauft er an zwei große Pflanzkartoffelvertriebe. Die Speisekartoffeln gehen an eine regionale Supermarkt-Kette.

Kartoffeln, das ist das zweite Standbein von Ingo Schild neben der Schweinemast. Und mit den Kartoffeln läuft es momentan auf dem Hof im Elisabethgroden sehr gut. „Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen mehr regionale Produkte kaufen“, meint Ingo Schild. Seine Produkte seien auch gut. „Immerhin gibt es strenge Auflagen, damit wir die Kartoffeln im Supermarkt verkaufen können.“

Nachdem die Kartoffeln geerntet sind, beginnt jetzt die Trocknungsphase. Danach werden die Kartoffeln bis auf vier Grad heruntergekühlt. Werden Kartoffeln zu warm gelagert, keimen sie schnell. Werden sie zu kalt gelagert, bilden sie Zucker und werden zu süß.


Neben den Kartoffeln widmet sich der Landwirt noch der Schweinemast. Vater Hinrich Schild startete im Elisabethgroden mit 45 Kühen und Ackerland. Sohn Ingo Schild fand Schweine aber interessanter.

Er startete seine berufliche Laufbahn mit 180 Schweinen, heute hat er Platz für 2000 Mastschweine. Einfach ist das allerdings nicht. „Die Preise werden gedrückt“, sagt Ingo Schild. „Zu schlechten Zeiten habe ich 1,23 Euro pro Kilo bekommen. Das ist katastrophal.“ Bis vor einigen Wochen bekam der Landwirt 1,75 Euro – „damit kann ich gut leben. Aber in kürzester Zeit ist der Preis schon wieder gefallen.“

Im Gegensatz zu früher hat sich die Arbeit verändert, meint Schild. Negativ: Der Druck durch internationale Märkte habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen. „Fleisch hat heute gar keinen Wert mehr wie früher“, meint Schild. „Da gab es den bekannten Sonntagsbraten. Einmal in der Woche gutes Fleisch. Heute essen viele mehrmals in der Woche billiges Fleisch – es wird nicht mehr geschätzt.“

Positiv: Tierwohl und Tierschutz stehen immer mehr im Vordergrund. „Das finde ich gut.“ Der Landwirt ist stolz darauf, dass er in der Schweinemast so gut wie ohne Antibiotika auskommt.

Dass sich nicht alle Landwirte an die Vorgaben halten, ist erst kürzlich durch die Medien gegangen. Grauenvolle Bilder wurden veröffentlicht, Schweine lagen blutig, krank und sogar tot in den Ställen. „Das ist schlimm“, meint Ingo Schild. Auch deshalb, weil viele Menschen so ein falsches Bild von der Landwirtschaft bekommen. „Nicht alle Landwirte halten ihre Schweine so. Doch jetzt denken alle: der böse, böse Bauer.“

Ingo Schild ist der Meinung: Man sollte schon Kinder in den Schulen aufklären und ihnen klarmachen, was Landwirtschaft bedeutet. Und Kindern zum Beispiel auch zeigen, wo die Milch herkommt. „Ich glaube, dass es heutzutage viele gibt, die das gar nicht wissen.“

Seine Kinder jedenfalls werden mit der Landwirtschaft groß. „Und obwohl es manchmal nicht so gut läuft und es einiges Negatives gibt, würde ich ihnen nicht davon abraten, auch in die Landwirtschaft einzusteigen.“ Nur einen Wunsch hätte Ingo Schild für die Zukunft schon: „Dass es wieder stabile Marktpreise gibt.“

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt