Varel - Im Spielzimmer erinnern Mauerreste an frühere Zeiten und in den Räumen der Familienhilfe ist durch eine gläserne Einlassung im Boden die alte Kornklappe zu sehen. Moderne Räume, in denen das historische Erbe überall sichtbar ist, sind in den beiden Seitenflügeln des Waisenstifts in Varel entstanden. Nach knapp dreijähriger Bauzeit wurden sie am Freitag mit einem Festakt und einem Tag der offenen Tür eingeweiht. Neben Ehrengästen wie den Bundestagsabgeordneten Hans-Werner Kammer und Karin Evers-Meyer nutzten viele Vareler die Gelegenheit, sich in den sanierten Räumen umzusehen.

„Wir haben wieder Flügel“, freute sich Claudia Preuß, Leiterin des Waisenstifts, und dankte den Förderern für die finanzielle und tatkräftige Unterstützung. Eine Million Euro hat die Sanierung gekostet, wobei Fördermittel in Höhe von 500 000 Euro geflossen sind. Einen besonderen Dank richtete sie an Hans-Georg Buchtmann vom Förderverein des Waisenstiftes, der sich beharrlich für die Sanierung eingesetzt hat.

In knapp drei Jahren wurden in den Seitenflügeln der Schlafsaal und der Speisesaal saniert, die Holzbalkendecken restauriert, neue Heizungs- und Sanitärtechnik eingebaut, der Brandschutz verbessert sowie eine Teilsanierung der elektrischen Anlagen vorgenommen, berichtete Architekt Wilhelm Lien­stromberg. Dabei sei kein Museum entstanden, sondern dem Wunsch der Nutzer entsprochen worden. Notwendig seien noch die Sanierung des Obergeschosses und der Elektrotechnik. Hans-Heino Predel, der als Architekt der ersten Stunde für die Sanierung des Hauses verantwortlich war, freut sich, dass das Waisenhaus aus dem „Schattendasein herausgetreten und bei den Menschen angekommen ist“.

Als eine der „wichtigsten Einrichtungen der Stadt und der Region“ würdigte Frieslands Landrat Sven Ambrosy das Waisenhaus. Das Ensemble aus dem Jahr 1671 sei nach modernster Bauart unter denkmalschützerischen Gesichtspunkten wieder aufgebaut worden. Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner betonte, dass die Stadt Varel gut daran getan habe, die Sanierung des Waisenhauses weiter voranzutreiben. „Das Haus lebt“, freut er sich.

Einen Einblick in die Geschichte des 1996 zum „Denkmal mit nationaler Bedeutung“ ernannten Waisenhauses gab Niels Juister vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Es ist deutschlandweit das älteste Gebäude, das ununterbrochen als Waisenhaus diente.

Nach dem Festakt machten sich unzählige Besucher ein Bild von den restaurierten Räumen und der pädagogischen Arbeit und genossen das Programm mit Musik, Zauberei, Führungen, Fußballspiel und Versteigerung.

Traute Börjes-Meinardus
Traute Börjes-Meinardus Redaktion Varel