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Milchviehbetrieb Riesenstall in der Schwebe

Tange - Ganz Tange kennt nur noch ein Thema: Die Planungen des Landwirts Frank Caspers, seinen Milchviehbetrieb zu erweitern – von 500 auf 1000 Tiere. Noch ist nichts beschlossen, und es ist nicht mal sicher, ob der Landwirt an diesem Vorhaben festhalten will. Denn es geht nicht nur um eine Baumaßnahme, es geht um die Entwicklung des Ortes. Zum Info-Abend hatte die Gemeinde eingeladen.

Komfort für die Kühe

Der Saal im Dörpshus Tange platzte am Mittwoch aus allen Nähten, viele Tanger wollten wissen, was es mit den Planungen auf sich hat. Konkret geht es um die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Der wäre notwendig, weil der Hof nach der Erweiterung kein landwirtschaftlich privilegierter Betrieb mehr wäre, sondern ein gewerblicher, bei dem der Landwirt Futter zukaufen muss, weil seine eigenen Flächen zur Versorgung der Tiere nicht ausreichen würden. Aus dem bäuerlichen Betrieb würde ein industrieller werden.

Mitarbeiter von Planungs- und Ingenieurbüros sowie der zuständige Architekt hatten sich viel Arbeit gemacht und zeigten den Anwesenden Emissionsdiagramme, Flurpläne, Tabellen und Kurven. Der Tenor: Die Grenzwerte würden bei einer Erweiterung des Stalls nicht überschritten werden, weder die des Geruchs noch die des Feinstaubs oder Stickstoffs. Außerdem solle mit einer hochmodernen Anlage artgerechter „Kuhkomfort“ gewährleistet werden. Viel Luft, Licht, Bewegungsfreiheit und weiche Betten solle es für die Kühe geben. Die gängige Vorstellung von Massentierhaltung sieht tatsächlich anders aus.

Aber so viel Mühe sich die Redner auch machten, Zweifel zu zerstreuen – die Tanger hatten sich schon im Vorfeld Gedanken gemacht und taten nun ihre Bedenken kund. Die Zahlen und Diagramme hatten sie nicht überzeugt. Es stinke jetzt schon mitunter erbärmlich, sagte eine Anwohnerin. Im Sommer könne sie an windstillen Tagen die Fenster nicht öffnen. Daran, Wäsche draußen aufzuhängen, sei gar nicht erst zu denken.

Die Bürger fürchten außerdem erhebliche Verkehrsaufkommen. Ein Landwirt sprach Klartext: „Wo soll denn die ganze Gülle hin? Und das Futter muss auch irgendwo herkommen.“ Die Tanger Hauptstraße ist eng, landwirtschaftliche Maschinen sind breit, es käme schon jetzt nicht selten zu brenzligen Situationen, wenn die riesigen Traktoren mit den Güllefässern auf den Radweg ausweichen, um aneinander vorbeizukommen. Die Bürger sprachen über die Angst um ihre Kinder.


Sie bemühten sich um Sachlichkeit, die Bürgermeister Matthias Huber (SPD) zur Voraussetzung für einen solchen Gesprächsabend gemacht hatte. Aber das Thema ist emotional aufgeladen.

So wie in Rastede. Dort haben die Planungen des Landwirtes Christian Meyer-Hullmann, seinen Stall in Kleibrok auf knapp 1000 Kühe zu erweitern, Widerstand geweckt. Eine Bürgerinitiative kämpft gegen die geplante Fabrik – auch wenn mittlerweile „nur noch“ von 600 Kühen die Rede ist.

Einen solchen Kampf mit den Bürgern wolle er nicht riskieren, sagte Frank Caspers. Er wolle den Frieden im Dorf nicht stören.

Caspers äußert sich

Also stand der Landwirt, der sich alle Bedenken angehört hatte, am Ende der Sitzung auf und erklärte, er wolle keine Rasteder Verhältnisse. Man hätte im Saal eine Stecknadel fallen hören können, als Caspers sagte: „Ich ziehe mein Vorhaben hiermit zurück.“ Großer Applaus.

Das letzte Wort hatte Bürgermeister Huber: Er und die Bürger sollten lieber noch eine Nacht darüber schlafen und noch einmal über alles nachdenken. Man wolle schließlich auf sachlicher Ebene entscheiden.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales
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