RIESOYTHE - Ein Wurf junger Katzen tobt durch den Kellerraum im Tierheim Sedelsberg. „Das war hier mal unser Personalraum“, erklärt Tierpflegerin Sigrid Kleen (54). „Aus Platzmangel mussten wir aber auch hier Katzen unterbringen.“

Seit dem Frühjahr werden pausenlos vermeintlich herrenlose Katzen im Tierheim abgegeben. 70 an der Zahl befinden sich momentan in der Obhut von Sigrid Kleen und ihren Kollegen, obwohl eigentlich nur Platz für 35 Tiere ist. Ein Ende scheint trotz absolutem Aufnahmestopp dennoch nicht in Sicht.

„Erst kürzlich hat jemand einen Karton mit einer Katze und ihren Babys einfach auf dem Grünstreifen vor dem Tierheim abgestellt. Der kannte sich wohl aus und wusste, dass wir jetzt im Eingangsbereich eine Überwachungskamera haben“, vermutet Kleen.

Ähnliches weiß auch Tierärztin Dr. Veronika Tholen aus Friesoythe zu berichten. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins hat Anzeige gegen einen Mann erstattet, der einen Karton mit Kätzchen einfach in ihrer Praxis stehen ließ. „Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend und meine Mitarbeiter konnten den Mann nicht bewegen, die Katzen wieder mitzunehmen. Deshalb habe ich die ganze Angelegenheit an die Polizei abgegeben“, berichtet Tholen.

Das Tierheim gelangt derweil an seine Belastungsgrenzen. Neben dem Platz wird auch das Katzenfutter allmählich knapp. „Wir freuen uns deshalb auch immer über Futterspenden“, so Kleen. Wegen der vielen Katzen auf engem Raum verbreiten sich auch Krankheiten in Windeseile. „Besonders mit Schnupfen haben wir zu kämpfen. Die Katzen brauchen Medikamente und mehr Pflege“, so Kleen. „Wir sind froh über jede Katze, die wir vermitteln können. Aber für jede, die geht, bekommen wir zehn neue rein.“ Tholen ergänzt: „Das Problem wird von Jahr zu Jahr größer und keiner fühlt sich zuständig. Die Tierschutzvereine sind aber mittlerweile überlastet und können nicht mehr leisten.“


Um dem Problem Herr zu werden, sehen Kleen und Tholen langfristig deshalb nur eine Lösung. „Wir fordern eine Katzenschutzverordnung auf kommunaler Ebene. Die Besitzer müssen dazu verpflichtet werden, ihre Tiere kastrieren, chippen und tätowieren zu lassen. Nur so lässt sich die unkontrollierte Fortpflanzung von freilaufenden Katzen vermeiden.“ Das Tierheim geht mit gutem Beispiel voran. Alle Katzen werden mit sechs Monaten kastriert. „Wenn wir jüngere Tiere vermitteln, bekommen die neuen Besitzer einen Gutschein, mit dem wir die Hälfte einer Kastration übernehmen“, so Tholen.