Hatten/Huntlosen - Das größte Problem beim Betreten der Forstweide muss Peter Biel gleich zu Beginn meistern. Der Elektrozaun steht kräftig unter Strom, damit die Wasserbüffel in dem Areal bleiben. Ist das Hindernis erst einmal vorsichtig überwunden, geht alles weitere entspannt seinen Gang.
Amos und sein Harem
„Die Tiere sind alle brav, manche regelrecht verschmust“, sagt der Züchter. Schon von weitem haben Bulle Amos (zehn Jahre, 1000 Kilogramm) und sein Harem verfolgt, wie der in Arbeitshose und rotkariertem Holzfällerhemd gekleidete 72-jährige Sandkruger die Wiese in der Nähe des Unterstands betritt. Kurz darauf setzen sich die ersten Kühe in seine Richtung in Bewegung. Ein tiefes Brummen ist zu hören. „Isabelle“ und „Olympia“ – 14 und zehn Monate alte Kühe – suchen sofort den Körperkontakt. Peter Biel hat nicht übertrieben, als er vom Schmusebedarf seiner Wasserbüffel erzählte.
Fünf Minuten später, fast jeder der 20 Vierbeiner hat den menschlichen Besucher begrüßt, zieht sich die Herde wie auf ein geheimes Kommando wieder in die Nähe der großen Suhle zurück. Die beiden Raufen sind zur Hälfte noch mit Stroh gefüllt. „Die Büffel finden jetzt schon genug frisches Grün“, sagt Biel. Auch auf die beheizte Tränke, die es wie den Unterstand nur Dank der Unterstützung durch die Forst in Huntlosen gibt, ist die Herde zurzeit nicht mehr angewiesen.
Erfolg fürs Naturdenkmal
In wenigen Tagen werden sieben Jungtiere und eine erfahrene Mutterkuh aus Huntlosen in die Gemeinde Hatten zum Rackelsberg zurückkehren. Das drei Hektar große Naturdenkmal in Sandhatten wird seit dem 18. Juni 2013 während der warmen Jahreszeit beweidet. Hier zeigen sich nach dem Urteil von Experten wie Dr. René Krawczynski (Uni Cottbus, Vizepräsident des Internationalen Förderverbandes zum Einsatz des Wasserbüffels als Landschaftspfleger) die erhofften positiven Folgen: „Arten wie der (...) Lungen-Enzian, aber auch Orchideen oder Sumpf-Veilchen wurden von dominanzstarken Arten wie Schilf, Flatterbinsen, Adler- und Wurmfarn verdrängt. Bereits im zweiten Jahr der Sommerbeweidung mit Wasserbüffeln ab dem 18. Juni 2014 haben sich einige Aspekte deutlich verbessert. Sowohl Schilf als auch Adler- und Wurmfarn sind erheblich zurückgedrängt worden. Schilf und Wurmfarn werden massiv verbissen, während der Adlerfarn unter dem Tritt der Büffel zu leiden scheint.
Die Wasserbüffel haben eine dauerhaft wasserführende und eine weitere, trockenfallende Suhle geschaffen. Amphibien werden durch die Suhlen neue Laichgewässer geboten. Der Dung der Büffel ist reich mit Insekten besiedelt, so dass Vögeln mehr Nahrung geboten wird.“
Mehr Flächen gesucht
Peter Biel, der in 16 Jahren „noch keinen Cent an Zuschüssen“ bekommen hat, sieht sich in seiner Haltung bestätigt. Die Disteln, Binsen und Brennnesseln fressenden Wasserbüffel seien gerade für Flächen, die für die Rinderhaltung ungeeignet sind, ideal. Eine Zucht zur bloßen Fleischproduktion, wie sie andernorts betrieben wird, lehnt er ab. „Am liebsten würde ich alle meine Tiere behalten, aber dafür haben wir leider viel zu wenig Flächen.“ Manchmal, gesteht der Sandkruger, fühlt er sich wie der einsame Rufer in der Wüste. Ans Aufhören denkt er nicht, hofft vielmehr, die Chance für weitere Landschaftsschutzprojekte – gerade auch im Landkreis Oldenburg – zu erhalten. „Wenn alles gut geht, werden mich Amos und seine Kühe überleben.“
