RODENKIRCHEN - Gerd Sonnleitner war in seinem Element. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes bekräftigte seine ablehnende Haltung gegenüber einem Greening in der gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union. Für Gerd Sonnleitner kommt, wenn überhaupt, nur ein standortangepasstes Greening in Frage. „Die Landwirte müssen die Möglichkeit erhalten, unter verschiedenen Maßnahmen diejenigen auszusuchen, die am besten zu ihrem Standort und Betrieb passen“, sagte er während der Jahreshauptversammlung des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch am Dienstag in der Markthalle Rodenkirchen.

Und der Bauernpräsident nahm kein Blatt vor den Mund: „Brüssel ist ein eigenes Biotop“, merkte er mit süffisantem Unterton in der Stimme an. Zwar strebe der Agrarkommissar Dacian Ciolos einen Abbau von Bürokratie an. „Doch auf uns kommt ein bürokratisches Monster zu“, sagte der 63-Jährige. Die Einbeziehung von speziellen umweltbezogenen Maßnahmen für eine stärkere ökologische Ausrichtung der Agrarpolitik würde die Landwirte schwer treffen. Es sei nun die entscheidende Aufgabe, eine Flexibilisierung in der Greeningfrage hinzubekommen, merkte Gerd Sonnleitner an.

Grüner und gerechter soll nach Aussagen des Agrarkommissars Dacian Ciolos die Agrarpolitik werden, so Gerd Sonnleitner. Doch wie sollte das Grünland der Wesermarsch noch grüner werden?, fragte er demonstrativ provozierend. Die attraktiven Landschaften würden von den Landwirten durch Nutzung gepflegt – im Disneyland würden sie nachgebaut.

Nach den Worten von Gerd Sonnleitner will der Agrarkommissar den Bauern nur noch dann Beihilfen bezahlen, wenn sie als Gegenleistung die Umwelt schonen. Das bedeute jedoch mehr Umweltauflagen und einen höheren Verwaltungsaufwand für die einzelnen Betriebe, fasste der Festredner seinen Unmut zusammen.

Positiv bewertete Gerd Sonnleitner die Gründung des Grünlandzentrums in Ovelgönne. Nicht auf den Staat warten, sondern von sich aus gestaltend wirken, sei die Devise gewesen, sagte er. „Das Grünland ist ihr Kapital“, trug er vor. Eine hohe Wettbewerbskraft würde in der Wesermarsch herrschen. Es gebe keinen Grund, negative Preisentwicklungen in den Raum zu stellen. „Der Markt für die Milch ist positiv“, bekräftigte der Bauernpräsident, um danach die Marktmacht des Lebensmittel-Einzelhandels zu kritisieren: Null Unterstützung seitens des Kartellamtes habe es gegeben.


Gerd Sonnleitner sprach sich des Weiteren gegen den immensen Flächenverbrauch in Deutschland aus. Man müsste intelligenter mit dem Land umgehen und statt Ausgleichsflächen auszuweisen, den Kommunen besser Geld in die Hand geben, um Strukturen zu verbessern, bevor das Land aus der Nutzung fallen würde.

Eine Sorge trieb den Bauernpräsident um: der zunehmende Imageverlust der Landwirtschaft in der Gesellschaft. Die Massentierhaltung rückte immer mehr in den Fokus. „Wir sollen zurück in die Steinzeit“, so seine provokante Äußerung. Die Landwirte sollten daher ihre Höfe öffnen und Besucher einladen, um für mehr Transparenz zu sorgen. Mit Blick nach Osteuropa und hinsichtlich der dortigen Geflügelzucht sagte er: „Dort werden die Tiere, bei uns werden die Bauern gequält.“