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Landwirtschaft Milchlieferanten müssen Verkäufer werden

Rolf Bultmann

Rodenkirchen - Damit die Milcherzeuger künftig nicht mehr allein die Risiken des Marktes tragen, müssten die Lieferanten zu Verkäufern werden. Dies erfordere einen Systemwandel hin zu einer vertragsgebundenen Milchvermarktung für alle deutschen Milchbauern. In verpflichtenden Verträgen zwischen Landwirt und Molkerei sollen Menge, Qualität, Laufzeit und Preis der zu liefernden Milch festgeschrieben werden. Durch eine dann bedarfs- und marktgerechte Produktion könnten Krisen zumindest abgemildert werden.

Diese Kernforderung der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch-Board habe sich mit der jüngsten Milchkrise mehr als bewahrheitet, sagte Vorstandsvorsitzender Peter Guhl. Der Landwirt aus Mecklenburg war einer von zwei Referenten einer Informationsveranstaltung, zu der der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in die Markthalle eingeladen hatte.

Nur zwölf Landwirte

Dass nur zwölf Landwirte zu der Zusammenkunft erschienen, empfand Johanna Böse-Hartje als erschütternd. Die niedersächsische Landesvorsitzende des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) aus Thedinghausen leitete die Veranstaltung unter dem Titel „Gekündigt beim DKM – und was nun?“ Aus Verärgerung über sehr schlechte Auszahlungspreise in der Milchkrise haben fast ein Viertel der bislang 8600 Lieferanten des Molkereiriesen Deutsches Milchkontor (DMK) gekündigt.

Der von der MEG-Milch-Board geforderte Weg über ein Vertragsmodell Milchproduktion erfordert nach Aussagen des Vorstandsvorsitzenden einen auch im EU-Milchpaket favorisierten Zusammenschluss der Landwirte in Milcherzeugergemeinschaften. Erst die Bündelung der Erzeuger sei ein Garant dafür, dass in den Milchkaufverträgen auch die Interessen der Erzeuger ausreichend Berücksichtigung finden.

Er wies zudem darauf hin, dass der Großteil der Milcherzeuger in Deutschland nicht an einem Wettbewerb um den Rohstoff Milch teilnehmen könne, weil sie der in der Regel zweijährigen genossenschaftlichen Andienungspflicht unterliegen. Sie sei nicht mehr zeitgemäß und verhindere die Milchpreisfindung nach den allgemein geltenden Marktgesetzen.


Schlagkräftige Argumente für ihre Forderungen sieht der Milch-Board in den Ergebnissen der von ihm in Auftrag gegebenen Studie, die die Milchkrise der Jahre 2015/16 untersuchte. Die Studie stellte Dr. Karin Jürgens vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die nicht marktgerechte Milchproduktion der Auslöser für die jüngste Krise auf dem Milchmarkt war.

Deutlich werde dies dadurch, dass die recht unterschiedlichen Steigerungsraten in den einzelnen Ländern auch unterschiedlich auf den Milchpreis niederschlugen. So mussten „Vollgasländer“ wie die Niederlande, Deutschland und Irland, auf die der Großteil der produzierten Mehrmengen entfielen, Preiseinbrüche von über 35 Prozent hinnehmen, während andere große Milchnationen wie Frankreich, Italien und Dänemark, die sich bei der Mehrproduktion zurückhielten, Preisverluste in Höhe von nur bis 20 Prozent erlebten.

Als Käse verramscht

Ein weiterer Grund für den hohen Preisverfall in Deutschland war, dass die zusätzlichen Milchmengen vor allem zu Käse verarbeitet und zu Tiefpreisen auf den ohnehin gesättigten EU-Binnenmarkt und in den Drittland-Export verramscht wurden. Diese Tiefpreise wurden direkt an die Erzeuger weitergereicht. Frankreich und Italien exportierten hochwertigere Milchprodukte zu höheren Preisen.

Hans-Joachim Janßen, agrarpolitischen Sprecher der niedersächsischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, stimmte den Forderungen auch hinsichtlich der Stärkung politischer Marktinstrumente wie Ausgleichszahlungen in Krisen für nicht produzierte Milch zu.

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