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Landwirtschaft Rindersperma für die ganze Welt

RODENKIRCHEN - Der Hof von Wilfried Blohm und seinem Sohn Wilke gleicht einer internationalen Drehscheibe. Und das nicht etwa, weil die 150 Milchkühe auf einem Melkkarussell mit 24 Stellplätzen gemolken werden.

Am Mittwochnachmittag begrüßte Wilfried Blohm fachkundige Gäste aus Ägypten, Argentinien und Schweden auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb am Brunswarder Damm. Die Milchbauern aus Skandinavien und die Mitarbeiter der German Genetics International (GGI) GmbH mit Hauptsitz in Cloppenburg informierten sich auf dem Weg zur EuroTier in Hannover über den inhabergeführten Musterbetrieb von Wilfried Blohm und Sohn. Es war für den Milchbauern beileibe nicht das erste Mal, dass er internationale Gäste begrüßte.

Seit 1952 Eigentümer

Eingeladen zur Hofbesichtigung hatte GGI-Exportmanager Hans-Josef Gehlenborg in Abstimmung mit den Eigentümern, die den 1952 erworbenen Betrieb vor zweieinhalb Jahren um einen modernen Anbau erweitert haben. Die Firma GGI befasst sich weltweit mit dem Vertrieb von Rindersperma zur Aufzucht von Milchvieh. Den Kunden den Erfolg der Rinderzucht zu zeigen und damit Vertrauen in das deutsche System mit einer umfangreichen Datenbank über Zuchtbullen zu bekräftigen, sei ihm ein Anliegen, betonte Hans-Josef Gehlenborg bei dem Ortstermin.

Nach den Worten des Managers wird Rindersperma von der Zentrale in Cloppenburg aus in rund 70 Länder exportiert. Beispielsweise im Milchgürtel um Buenos Aires, Córdoba und Santa Fe de la Vera Cruz würden die Tiere ideale Bedingungen vorfinden. In der argentinischen Niederlassung seien 20 Leute beschäftigt, die die südamerikanischen Milchviehhalter für die GGI betreuen würden. In Ägypten sei der Lebensraum ungünstiger, die Zucht in Nordafrika daher umso schwieriger, merkte der Experte an.

Auch in der Gemeinde Stadland betreut die German Genetics International zahlreiche Kunden. Laut Hans-Josef Gehlenborg sind es 40 Milchviehbetriebe. Auch der Hof Blohm mit seinen 110 Hektar zählt dazu. Ein Besamungstechniker der GGI nimmt bei den Tieren die künstliche Befruchtung vor. Er sorgt dafür, dass brünstige Kühe durch eine künstliche Befruchtung zu trächtigen Kühen werden. Den Samen bekommen die Techniker tief gefroren oder frisch im Kunststoffröhrchen geliefert.


Sperma unbegrenzt haltbar

Eine Spermadosis kostet nach den Worten von Hans-Josef Gehlenborg zwischen 20 und 40 Euro, je nach der Expertise des Bullen. Aber auch höhere Preise seien möglich, das hänge von der Klasse des Bullen ab. Aufbewahrt wird das Sperma in einem mit Flüssigstickstoff gefüllten Tank bei einer Temperatur von minus 196 Grad. Es sei dann unbegrenzt haltbar, sagte der GGI-Experte.

Über den Flughafen Bremen wird Rindersperma in alle Welt verschickt. Etwa 500 bis 600 Behälter verlassen pro Jahr den Firmensitz in Cloppenburg. Je nach Qualität befinde sich in solch einem Behälter schon einmal Sperma im Wert von mehr als 100 000 Euro, sagte der Manager.

Einen Behälter mit tief gefrorenem Rindersperma hatte Hans-Josef Gehlenborg für die rund 40-köpfige Gruppe aus Schweden mitgebracht. Henning Deharde, der in Kötermoor aufgewachsen ist und nun mit seiner Familie in Skandinavien lebt, nahm die kostbare Fracht in Empfang. Er ist der GGI-Mitarbeiter in Jönköping.

Vertreter in Schweden

Vor zwölf Jahren zog es Henning Deharde nach Skandinavien, um dort für das deutsche Unternehmen mit dem Schwerpunkt Rinderzucht zu arbeiten. Der Zwischenstopp bei Familie Blohm war aber nur eine Stippvisite in der Heimat. Es blieb keine Zeit, die Eltern in Rodenkirchen zu besuchen. Nach einer Stunde fuhren die Schweden im Bus weiter nach Hannover.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake
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