Rodenkirchen - „Jeder bitte nur einen Schraubstock“, sagt Peter Siefken, als die nächste Gruppe in den Werkraum strömt. Peter Siefken ist Ausbildungsleiter bei Steelwind in Blexen, und der Monopile-Hersteller gehört neben Rehau zu den am meisten gefragten Unternehmen, die sich bei der 8. Berufsinformationsbörse der Oberschule Rodenkirchen vorstellen.
Ein Monopile ist ein Standfuß für eine Windkraftanlage auf hoher See. Doch von den zig Tonnen schweren Stahlröhren ist im Werkraum nichts zu sehen, und statt Stahl liegen dünne Aluminiumblechscheiben auf dem Tisch. Daraus sollen die Acht- und Neuntklässler jetzt etwas Schönes basteln, nämlich Rosen.
Dabei können sie zeigen, ob und wie sie mit Metall umgehen können. Die Auszubildenden Kenny Hardt und Rafal Krsyka helfen ihnen.
21 Ausbildungsplätze bietet Steelwind derzeit, sagt Peter Siefken. Eingestellt werden Konstruktionsmechaniker und Industriekaufleute, im September kommen Mechatroniker hinzu. Die Mechaniker brauchen einen guten Hauptschulabschluss, die Kaufleute einen Realschulabschluss. „Aber wir schauen nicht nur nach den Noten“, betont Peter Siefken, „wir finden es gut, wenn sich die jungen Leute bei uns im Praktikum bewähren.“
Ein anderer Nordenhamer Industriebetrieb, der an diesem Donnerstag um Nachwuchs wirbt, ist die Zinkhütte. Sie präsentiert sich hier zum ersten Mal.
Insgesamt sind zwölf Betriebe dabei, sagt Florian Ertl, Fachbereichsleiter Wirtschaft der Oberschule. Neben der Zinkhütte stellt sich auch Garten- und Landschaftsbau Siefken erstmals vor. Stammgäste sind etwa Thieling, J. Müller, Barghorn, Rehau, Transporte Stührenberg mit dem Ausbildungs-Laster, das Finanzamt, die Kreisverwaltung und die Raiffeisenbank. Jeder der 120 Acht- und Neuntklässler klappert fünf Stationen ab und kann dabei seinen Horizont erweitern.
Weil Berufsorientierung in der Oberschule eine große Rolle spielt, weiß Florian Ertl, wie gegensätzlich die Wunschberufe der Schüler sind: Am beliebtesten sind Büro – freie Wochenenden, feste Arbeitszeiten – und das exakte Gegenteil davon: die Landwirtschaft.
So etwas wie Büro bietet auch Jan Brümmer. Er leitet die Rodenkircher Filiale der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) und fischt nach neuen Auszubildenden. Dabei sind Geldinstitute nach wie vor beliebt als Arbeitsplatz, sagt Jan Brümmer. Und bei der Landessparkasse steigt die Beliebtheit von guten Realschülern. Denn die LzO hat die Erfahrung gemacht, dass Abiturienten an die Ausbildung gern ein Studium dranhängen. Die Sparkasse will aber, dass sie in der Wesermarsch bleiben.
Das ist eine Chance für gute Oberschüler.
