RODENKIRCHEN - „Wir sollen zu Weltmarktpreisen für ein hochwertiges Produkt entlohnt werden, das wir zu weit aus höheren regionalen Kosten produziert haben. Wie soll das gehen?“, kritisierte Jürgen Meenken. Das Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) ließ keinen Zweifel daran, dass auch die großen Milcherzeugerbetriebe mit dem derzeitigen Milchpreis von um die 20 Cent je Kilogramm Milch nicht überleben können.
Annähernd 200 Landwirte aus der Region nutzten am Dienstagabend die in der Rodenkircher Markthalle vom BDM-Team Wesermarsch veranstaltete Podiumsdiskussion mit Politikern und Vertretern der Milcherzeuger, um ihrer Verärgerung über den im freien Fall befindlichen Milchpreis Luft zu machen.
Den Hauptgrund für die Misere haben die Milchbauern in der Ablehnung der Vorschläge zur Reduzierung der Milchmenge in Deutschland durch den Bundesrat am 7. November 2008 ausgemacht. Durch die Erhöhung der Milchquote übersteige das Angebot am Markt die Nachfrage deutlich.
Weil auch das Land Niedersachsen die nationale Milchmengenreduzierung ablehnte, hatte Clemens Große Macke, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, keinen leichten Stand bei der Diskussion mit den Landwirten. Ähnlich erging es dem SPD-Bundestagsabgeordneten Holger Ortel wegen seiner Nähe zum Deutschen Bauernverband, der die Vorschläge des BDM für eine neue Milchmarktordnung torpediere.
Einig waren sich die Besucher der Podiumsdiskussion darin, dass nur durch eine Mengenbegrenzung der Milch wieder ein Erzeugerpreis erzielt werden kann, der die Kosten deckt. Dazu müsse zumindest die jährliche Erhöhung der Milchquote um 1 Prozent und auch die Fettkorrektur, die für ein zusätzliches Milchaufkommen gesorgt habe, wieder zurückgenommen werden. Auch die Saldierung der überlieferten Milchmenge müsse abgeschafft oder reduziert werden.
Diese Forderungen fanden die Zustimmung von Sieta van Keimpema (Vorstandsmitglied des European Milk Boards), Christian Meyer (agrarpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen) und Ralf Lükensmeier (Wirtschaftsexperte der Linken im Kreis Leer). Der Gast aus Holland sprach sich für einen erneuten zweiwöchigen Lieferstopp aus, um eine Anhebung des Milchpreises zu erreichen.
Einig waren sich Landwirte und Podiumsteilnehmer auch darin, dass sich die Milcherzeuger bundesweit bündeln müssen, um eine größere Marktmacht zu erreichen. Derzeit seien sie nur noch Lieferanten ohne Einfluss auf die Preisgestaltung. „Wir wollen die Milch nicht nur abliefern, sondern verkaufen. Dafür müssen wir aber vorher einen fairen, die Kosten deckenden Preis festlegen“, so Sieta van Keimpema. Dafür warben sie und auch die BDM-Vertreter um Unterstützung.
Siehe weiteren Bericht
auf der Wirtschaftsseite
Mehr Infos unter
Stimmen der Diskussionsteilnehmer
