Rodenkirchen - Ein bisschen Spaß muss sein, dann rollt das Geld von ganz allein. Das hat sich wohl der Auktionator Andreas Decker gedacht, als er bei der traditionellen Schweinskopfversteigerung am Montagvormittag den Rodenkircher Zahnarzt Jörg Steinbach aus der Zuschauermenge heraus nach vorn bat.

Gegen eine kleine Spende bekam der Zahnarzt einen der beiden halben Schweinsköpfe – und im Gegenzug fletschte er seine Zähne. Gern machte Jörg Steinbach den Spaß mit, der auch ein kleines bisschen Ekel enthielt.

Aber genau das macht ja die Schweinskopfversteigerung aus. Wer kauft sich heute schon noch einen echten Schweinskopf? Was früher gang und gäbe war, ist in unserer heutigen veganen Zeit für die meisten Menschen kein Thema mehr. Selbst den Zusammenhang zwischen einem geschlachteten Schwein und einem Schnitzel können die meisten Genießer ignorieren.

Und da liegen sie dann auf dem Tresen des Imbisses Weghorst, die beiden geräucherten Schweinsköpfe, die Andreas Decker versteigert – selbstverständlich amerikanisch, denn kaum jemand will das acht Kilogramm schwere Schweinehaupt ernsthaft in seinen Besitz bringen. Mit viel Witz, aber ohne jede Geschmacklosigkeit entlockt Andreas Decker dem Publikum einen Euro nach dem anderen. Angelika Sobczyk, Rieke Nordbruch und Charlotte Schmidt von der Gemeindeverwaltung gehen mit kleinen Metallschalen herum und sammeln Hart- und Papiergeld ein. Auch die Marktmeisterin geht gelegentlich mit einer Schale herum.

Wer als letzter einen Euro reinlegt, hat ihn dann plötzlich, den Schweinskopf. Als Ersten erwischt es Stefan Hülstede aus Abbehausen. „Ich weiß noch nicht, was ich damit mache“, gesteht er, während Schlachtermeister Hans-Jürgen Kaliwoda das sperrige Körperteil in eine Supermarkttüte gleiten lässt. Da ist Timo Klingebeil aus Ovelgönne, den der zweite Schweinskopf ereilt, schon einen Schritt weiter: „Ich frag mal meine Schwiegermutter.“

Als Elrina Göckler aus Rodenkirchen den ersten halben Schweinskopf ergattert, hat es endlich die Richtige getroffen: „Ich mach Sülze draus“, kündigt sie an.

Währenddessen hat Hans-Jürgen Kaliwoda das ganze geschlachtete Schwein schon aus seinem durchsichtigen Plastiksack befreit und zerteilt es fachgerecht in mehr oder weniger kleine Stückchen, für die Andreas Decker weitere Euros eintreibt. Die Schausteller-Sprecherin Marlies Cattelmann fühlt sich an die Hausschlachtungen erinnert, die sie in ihrer Kindheit erlebt hat.

Zwischendurch gießt es zweimal, Zeit für eine Bierpause. Wegen des nasskalten Wetters ist das Publikum kleiner als sonst, und auch Bürgermeister Klaus Rübesamen zapft weniger Bier als in den Vorjahren. Doch Andreas Decker versteigert unverdrossen weiter, bis um 14 Uhr die Marktgeschäfte öffnen. Der Erlös ist einer der besten in jüngerer Zeit: 1817 Euro.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland