Rodenkirchen - Mitten im Montagmorgenstress blieb für Sylvia Niermann plötzlich die Zeit stehen. „Es war ein Schock“, erinnert sich die 46-Jährige an die Begegnung vor ihrem Haus an der Heinrich-Albertz-Straße. Vor ihr stand, davon ist sie fest überzeugt, ein Wolf.
„Es war ganz sicher einer“, sagt Sylvia Niermann. „Den kann ich schon von einem Hund unterscheiden.“ Gerade war ihre Tochter Kathrin mit dem Auto vom Grundstück gefahren, als Sylvia Niermann nach draußen eilte, um ihr noch schnell etwas zu sagen. Da sah sie das Tier. „Es war ein junges Tier, abgemagert, nicht gerade gesund“, sagt sie. Während die Mutter da stand, machte die Tochter Geräusche, und nach schätzungsweise zwei Minuten trollte sich der Vierbeiner in Richtung Spielplatz; dahinter beginnt freies Land.
Was tut die Polizei?
Über 110 alarmierte die Tochter die Polizei. Es erschienen zwei Beamte, doch die fanden kein verdächtiges Tier.
Lorena Lemke, Sprecherin der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch, sagt, dass immer wieder solche Anrufe bei der Polizei eingehen, vor allem dann, wenn der Wolf gerade stark in den Medien präsent ist. Seit Dezember sei das weniger der Fall, und deshalb sei die Zahl dieser Meldungen seitdem zurückgegangen.
Generell sei es so, dass die Polizei nur eingreife, wenn Gefahr von dem Raubtier ausgehe – etwa wenn es Tiere reiße, sich Menschen nähere oder sie gar angreife, oder wenn es krank wirke. In diesem Fall benachrichtige die Polizei die Kreisverwaltung, die dann den ehrenamtlichen Wolfsberater einschalte, der alles Weitere übernehme
Als Wolfsberater für die Wesermarsch sind Michaela Molzahn und Marcus Säfken tätig.
Was sagt der Förster?
Martin Dippel, Leiter des zuständigen Forstamtes Neuenburg, bleibt beim Thema Wolf gelassen, aber skeptisch. „Unmöglich ist da überhaupt nichts mehr“, sagt er. Es könne durchaus sein, dass ein Tier aus dem Landkreis Cuxhaven durch die Weser schwimme. Solange das Tier aber keine DNA-Spuren – etwa Haare – oder Pfotenabdrücke in feuchter Erde hinterlasse, gebe es eben auch keinen Beweis, dass es ein Wolf war und kein Hund.
Generell, sagt der Forstamts-Chef, dürfe die Küstenregion mit ihren auf den Deichen eingezäunten Schafen kein Wolfsgebiet werden.
