RODENKIRCHEN - „Behandele andere so, wie du auch behandelt werden möchtest“, warb Dr. Peter Plettenberg für Verständnis und für einen respektvollen Umgang mit den Betroffenen. Er appellierte auch an die Toleranz der Pflegenden, die nicht streng nach Buch und Zahlentabellen agieren sollten. Der Leiter der Geriatrie-Abteilung der Wesermarsch-Klinik in Nordenham referierte am Montagabend beim Landfrauenverein Rodenkirchen über die verschiedenen Formen der Demenz.

Den rund 60 Zuhörern in Albrechts Hotel, darunter auch einige Männer, gab der Mediziner wertvolle Tipps bei der Pflege dementer Angehöriger und versuchte Verständnis für die fortschreitende Erkrankung und ihre teilweise absurde Ausprägung zu wecken.

Gedächtnisleistung sinkt

Etwa 25 Prozent der 70-Jährigen und schon 50 Prozent der 90-Jährigen litten unter Demenz, die oftmals, wie im Falle von Alzheimer, mit einer Vergesslichkeit beginne und in deren Verlauf die Gedächtnisleistung stetig nachlasse. Auch eine Demenz durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn sei möglich. Diese verlaufe aber eher plötzlich und sei starken Schwankungen unterworfen. Es komme zudem vor, dass Demenz mit einer altersbedingten Depression verwechselt werde, erläuterte Peter Plettenberg.

Eine frühe Erkenntnis und hilfreiche geriatrische Tests könnten die Erkrankung zumindestens verzögern helfen. Der Mediziner berichtete auch aus seinem Alltag in der Wesermarsch-Klinik und den Fehlern, die oftmals im Umgang mit den dementen Patienten gemacht werden. So sei eine freundliche Grundstimmung für eine entspanntere Kommunikation sehr wichtig. Es gelte eine gewisse Vertrautheit zu schaffen, und den Menschen empathisch-wertschätzend anzusprechen, begleitet von vorsichtigen Berührungen.


Warum-Frage vermeiden

Unbedingt solle der Pflegende die Warum-Frage vermeiden. Demente agierten oft ohne Sinn und wüssten deshalb auch nicht, warum sie etwas gerade gemacht haben. Um die Würde des Dementen zu erhalten, lehnte Plettenberg Kittel, Schürzen und Lätzchen beim Patienten total ab. Vielmehr gelte es die individuellen Essmanieren zu tolerieren, ebenso wie die Essenszeiten und die Essgeschwindigkeit.

Hilfreich könne hier ein Entscheidungstraining über die Art und Menge der Essens- und Trinkaufnahme sein. Es gelte nach den Ursachen zu forschen, wenn das Essen verweigert werde, statt den Dementen zu bevormunden und ihn zu etwas zu zwingen.

Ein strukturierter Tagesablauf, eine sinnfördernde Beschäftigung, Bewegung an der frischen Luft und der Kontakt zu Menschen gleichen Alters seien anzustreben. Insgesamt müsse mit Feingefühl und nicht mit der Holzhammermethode auf die Eigenarten der Kranken eingegangen werden.