RODENKIRCHEN - Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) macht weiter Druck. Bei einem Informationsabend in der Markthalle Rodenkirchen stimmten 49 Milchbauern aus der Wesermarsch unter anderem der Forderung zu, einen Basismilchpreis von mindestens 43 Cent pro Kilogramm einzuführen. Lediglich ein stimmberechtigtes Mitglied lehnte diesen und weitere Vorschläge am Mittwoch ab.
Welcher Weg bei der Gestaltung der Milchwirtschaft einzuschlagen ist, möchte der BDM bei einer bundesweiten Umfrage unter den Milchbauern erfragen. In Rodenkirchen hatten sich 100 Gäste, darunter 50 von rund 200 BDM-Mitgliedern in der Wesermarsch, eingefunden, um das weitere Vorgehen zu diskutieren. Während der Zusammenkunft informierte zudem Ludwig Soeken, stellvertretender BDM-Landesteamleiter, über die aktuelle Situation. Er stellte unter anderem fest, dass der Umrechnungsfaktor in Deutschland von 1,02 nicht mehr zu halten ist. Die Mehrheit stimmte der Forderung zu, ihn auf 1,03 anzuheben.
Die Milchmenge, die der Landwirt liefert, wird in Litern erfasst. Eine Vergütung der gelieferten Menge erfolgt jedoch in Kilogramm. Zur Umrechnung wird dabei ein Umrechnungsfaktor verwendet, der in Deutschland bei der Einführung der Quotenregelung mit 1,02 festgelegt worden war. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Die Milch wird mittlerweile auf 4 Grad Celsius gekühlt. Vor Jahren lag der Wert noch bei etwa 12 Grad. Und auch die zweitägige Abholung der Milch sowie größere Mengen führen zu einer deutlichen Gewichtsveränderung. Dass der Umrechnungsfaktor von 1,02 daher nicht mehr zeitgemäß sei, betonte auch BDM-Teamleiter Thomas Roßkamp aus Inte bei Stollhamm. In den meisten europäischen Nachbarländern liegt der Faktor seit langem bei 1,03. Und auch die deutschen Molkereien rechnen laut BDM bei der Fettkorrektur der Anlieferungsmenge mit dem europäischen Wert.
Der BDM möchte die Rahmenbedingungen des Milchmarktes so gestalten, dass die Milchviehhalter ihre einzelbetrieblichen Quoten einhalten. Eine Überbelieferung der Quote soll nach den Worten von BDM-Teamleiter John Heins aus Iffens vermieden werden. Sollte ein Milchbauer seine Quote nicht ausschöpfen, dürfe kein anderer Milchproduzent in die Bresche springen. Die Abschaffung der Bundessaldierung ist Thema. Der BDM plädiert für einen Systemwechsel. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass man erst sechs Wochen nach der Abgabe erfahre, wie viel Geld der Milchbauer für sein Produkt erhält, so Thomas Roßkamp.
Laut BDM führt ein Ansteigen der Quote um etwa ein Prozent zu einer Belastung des Milchmarktes mit rund 300 000 Tonnen Milch jährlich. Spekulationen könnten durch eine flexible Marktsteuerung – erwogen wird auch eine Umlage von 5 Cent pro Kilogramm Milch – vermieden werden. Ein wenig enttäuscht zeigte sich John Heins über den geringen Zuspruch bei der Veranstaltung in Rodenkirchen. Zahlreiche Stimmzettel der BDM-Mitglieder stehen jedoch noch aus und werden eingesammelt.
